TOLERANZ, GERECHTIGKEIT UND MITGEFÜHL IM ISLAM

EINFÜHRUNG

Während Sie diese Zeilen lesen, wird in der ganzen Welt weiter Krieg geführt, sterben Menschen oder werden verletzt, sind Menschen gezwungen, ihre Häuser oder ihre Heimat zu verlassen. Hunderte Kilometer legen die Flüchtlinge im Regen und Schnee zurück, dabei kämpfen sie gegen den Hunger, den Durst und Seuchen. Doch die Personen, welche diese Tyrannei verursachen, führen mit gutem Gewissen ihr Leben weiter, essen und können friedlich in ihren warmen Betten schlafen. Wenn wir einige Länder auf der Welt betrachten, so können wir feststellen, dass die Gerechtigkeit zu einer Prozedur geworden ist, die von einigen wenigen, wenn sie dies gerade wünschen, angewendet wird. Wenn die Bedürftigen"Mitleid erregen", so reicht man ihnen die Hand und man verhält sich ihnen gegenüber gerecht. Überall auf der Welt machen Menschen ungerechtfertigte Gewinne, beugen die Rechte der Armen und leben in Wohlstand. Während unschuldige Menschen bestraft werden, genießen die wahren Schuldigen einen guten Ruf und Ansehen.
Kurz gesagt, in vielen Ländern der Welt regiert die Ungerechtigkeit. Aber warum? Verstehen die Menschen nicht die Notwendigkeit von Gerechtigkeit?
Eigentlich verstehen alle Menschen unter dem Begriff Gerechtigkeit dasselbe und er wird von den meisten Menschen weltweit akzeptiert. Dabei handelt es sich um eine Gerechtigkeit, die ohne Unterschied alle Menschen einschließt, trotz der Unterschiede in Sprache, Religion oder Abstammung und die darauf abzielt, eine Welt zu errichten, in der nicht der Stärkste regiert und alle Menschen am Recht teilhaben können.
Der Einfluss, unter dem sich die Menschen von dieser Gerechtigkeit, die sie alle akzeptieren, entfernen, liegt im Konflikt mir ihren eigenen Interessen. So weiß beispielsweise jeder, dass Bestechungsgelder kein guter Weg sind und dass es eine Ungerechtigkeit darstellt und unmoralisch ist, diese anzunehmen. Doch einige Menschen legen sich eine Vielzahl von"Begründungen" zurecht, wenn ihnen ein attraktives Bestechungsangebot gemacht wird und denken nicht einmal mehr über die genannten Maßstäbe mehr nach.
Genauso weiß und akzeptiert jeder, dass man vor Gericht als Zeuge unbedingt die Wahrheit sprechen muss und die Wirklichkeit wiedergeben. Dennoch verändern einige Menschen ihre Meinung, wenn sie vor Gericht als Zeugen aussagen sollen und es um einen Vorteil für sich selber oder ihre Nächsten geht und erzählen ohne weiteres Lügen. Diese Menschen akzeptieren prinzipiell die Gerechtigkeit, doch wenn sie im Konflikt mit ihrem eigenen Vorteil stehen, dann beugen sie das Recht ohne zu zögern. Auch würde jeder im Prinzip zustimmen, dass die Güter der öffentlichen Hand gerecht verteilt werden sollten. Doch wenn eine"Hilfskampagne" durchgeführt wird, dann unterdrückt ein Mensch den anderen, um mehr zu bekommen als ein anderer, ja sogar mehr als ihm selber zustehen würde. Und wieder steht der eigene Vorteil über der Gerechtigkeit.
Wir könnten viele solcher Beispiele anführen. Doch letztendlich würden wir nur wieder auf dieselbe Tatsache stoßen: Wenn es um den eigenen Vorteil geht, sind einige Menschen bereit die Gerechtigkeit zu beugen, auch wenn sie an die Notwendigkeit der Gerechtigkeit eigentlich glauben. Weil in manchen Gesellschaften Menschen, die so denken, die Mehrheit bilden, bleibt der Begriff Gerechtigkeit illusionär.
Damit die Gerechtigkeit auf Erden Verbreitung finden kann, braucht die Menschheit ein Moralsystem, das sie davon abbringt, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht zu sein.
Diese Moral hat uns Gott beigebracht und aufgetragen, es ist die Moral des Quran. Denn die Moral des Quran sieht keinerlei Unterschied zwischen den Menschen vor und befiehlt eine reine, direkt von Gott gegebene Wahrheit. Gott befiehlt in der Sure an-Nisa, dass jemand auch dann gerecht handeln soll, wenn sich das zu seinen Ungunsten auswirkt:
O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Gott steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Gott weiß, was ihr tut. (Sure an-Nisa, 135)
Wie der Vers mitteilt, ist die wahre Gerechtigkeit die Gerechtigkeit, die aus der Ehrfurcht vor Gott entsteht, die durch die Beobachtung von Gottes Barmherzigkeit entsteht und keinerlei Unterschied trifft. Wenn eine solche Gerechtigkeit angestrebt wird, so wird einzig und allein nach dem Gesetz entschieden, ohne auf den persönlichen Gewinn, Freundschaft, Feindschaft oder auf die Weltsicht der Person, ihre Sprache, Rasse oder Hautfarbe zu achten. Eine Gesellschaft, die nach den moralischen Werten des Quran lebt, lebt mit wahrer Gerechtigkeit, wahrem Frieden und in Sicherheit. Denn lediglich jemand, der Ehrfurcht vor Gott empfindet und in seine Berechnung einbezieht, dass am Tag der Abrechnung alle seine Taten in die Waagschale gelegt werden, kann für wahre Gerechtigkeit sorgen.
Das hat uns die Geschichte bewiesen. Denn es gibt, wie Gott uns wissen lässt, zu allen Zeiten der Geschichte Zeiten"... unter denen, die wir erschufen eine Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet und ihr gemäß gerecht handelt" (Sure al-A'raf, 181), also Zeiten, in denen Gerechtigkeit herrschte. Insbesondere zur Zeit der Propheten und auch später, während deren Wegen gefolgt wurde, wurde sehr gerecht regiert und die Gesellschaft lebte in Frieden und Sicherheit. So wurde beispielsweise das Muslimisch-türkische Volk in den vergangenen Jahrhunderten für die ganze Zeit ein Beispiel für wahre Gerechtigkeit. Sowohl in Seldschukischer als auch in Osmanischer Zeit haben die Angehörigen sehr unterschiedlicher Religionen, mit unterschiedliche Sprachen und verschiedenen Gesellschaften unter einer Flagge friedlich zusammengelebt und für Gerechtigkeit in der Gesellschaft gesorgt. Die Muslimischen Türken waren dafür bekannt, dass sie überall dorthin, wo sie auftauchten, Gerechtigkeit brachten und wegen ihres toleranten, friedlichen und barmherzigen Verhaltens wurden sie von den Völkern, die sie eroberten, freundlich empfangen.
Das Ziel dieses Buches besteht darin, die im Quran beschriebene Gerechtigkeit dem Menschen näher zu bringen. Doch vergessen Sie dabei nicht, dass auch Sie etwas dafür tun müssen, um so in Frieden und Sicherheit leben zu können. Falls auch Sie so ein friedvolles Leben führen möchten und den kommenden Generationen Gerechtigkeit und ein sicheres Umfeld bieten möchten, sollten zuforderst Sie die Gerechtigkeit erkennen und den Menschen ein Vorbild sein. Auch Sie haben die Möglichkeit einer von denjenigen zu sein, die in dem Vers als"Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet" beschrieben wird, zu sein. Vergessen Sie nicht:"… Gott liebt die Gerechtigkeit Übenden.” (Sure al-Ma’ida, 42)
 

GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT


Die wahre Gerechtigkeit, wie Gott sie im Quran befielt, ist eine Herrschaft der Gerechtigkeit, in der niemals ein Unterschied zwischen den Menschen gemacht wird, die Rechte des einzelnen geschützt werden, Tyrannei niemals vergeben wird, Stellung für diejenigen Bezogen wird, die Grausamkeit erleiden und jedem die Hand gereicht wird, der bedürftig ist. Diese Gerechtigkeit schützt, wenn ein Urteil gefällt werden muss, die Rechte beider Parteien und bewertet das entsprechende Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln. Es beinhaltet vorurteilsfreies Denken, Unparteilichkeit, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Toleranz, Barmherzigkeit und Sanftmut. Wenn eines davon fehlt oder einem davon das Hauptgewicht eingeräumt wird, ist es schwer, wahre Gerechtigkeit walten zu lassen. Wenn ein Ereignis nicht nüchtern bewertet wird, sondern Emotionen und Gefühle dabei im Spiel sind, kann der Mensch kein gesundes Urteil fällen und diese Gefühle werden in das Urteil einfließen. Dennoch muss jemand, der Rechtsprechen soll, seine eigenen persönlichen Gefühle hintanstellen und sich den Hilfesuchenden gegenüber gerecht verhalten, unter allen Bedingungen und Umständen auf Seiten der Wahrheit stehen, niemals ein Zugeständnis in Bezug auf Ehrlichkeit und Wahrheit machen und die Moral des Quran für sich als Wegweisend annehmen. Die Person muss über eine solche Moral verfügen, dass sie die Gegenseite über den persönlichen Gewinn stellt und selbst wenn sie selber einen Schaden erleiden sollte gerecht sein, sollte die Gegenpartei das Recht auf ihrer Seite haben.
"O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Gott bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Gott. Siehe, Gott kennt euer Tun”. (Sure al-Ma’ida, 8)
Wie im dem Vers beschrieben, weiß Gott alles, was wir tun. Eine Person, die Gott fürchtet und weiß, dass ihr am Tag des Jüngsten Gerichts Rechenschaft abverlangt werden wird, lässt Gerechtigkeit walten, um das Wohlwollen Gottes zu erlangen. Sie weiß, dass Gott alle ihre Taten, Worte und Gedanken am Tag des Letzten Gerichts hinterfragen wird und dafür ohne Ausnahme was sie verdient erhalten wird.
Daher muss der Mensch vollständig nach der Moral des Quran leben, um die Barmherzigkeit Gottes zu erlangen, den Qualen der Hölle zu entkommen und die Wohltaten Gottes zu erfahren. Jeder einzelne Mensch muss sich persönlich dafür einsetzen, diese Moral zu erreichen, alle egoistischen Wünsche und persönlichen Gewinn hinter sich lassen und seinen Weg gerecht, barmherzig, tolerant, gütig und friedlich fortsetzen. Gott hat die wahre Gerechtigkeit im Quran erklärt und offengelegt, dass jede Art von Konflikten dadurch gelöst werden kann, dass die Gerechtigkeit siegt. Eine Gesellschaft, die sich aus gerechten Führern und gerechten Menschen zusammensetzt, kann jede Art von Auseinandersetzung leicht lösen. Im Quran ist die Gerechtigkeit vollständig erklärt und bekannt gegeben, wie Gläubige mit den Ereignissen, mit denen sie konfrontiert werden, umgehen sollen und wie sie die Gerechtigkeit anzuwenden haben. Das ist eine große Erleichterung für die Gläubigen und eine große Gnade, die Gott ihnen gewährt. Deswegen müssen die Gläubigen sowohl danach streben Gott zufrieden zu stellen, als auch die Verantwortung tragen, dass sie ein Leben in Frieden, Sicherheit und Wohlbehagen führen können, indem für alle Menschen gleichermaßen Gerechtigkeit herrscht.
Gerechtigkeit muss ungeachtet der Sprache, Rasse oder Ethnie auf alle Menschen gleich angewendet werden
Wenn wir die Entwicklungen auf der Welt betrachten, so können wir bezeugen, dass Gerechtigkeit abhängig von Ort, Zeit und Person unterschiedlich angewendet wird. In einigen Gesellschaften beispielsweise beeinflusst die Hautfarbe eines Menschen diejenigen, die für Gerechtigkeit sorgen sollten. Für dieselbe Tat erhalten ein Weißer und ein Schwarzer unterschiedliche Urteile. In einigen Gesellschaften spielt die Rasse eine große Rolle. Ein Beispiel dafür findet sich im vergangenen Jahrhundert. Hitler sah die arische Rasse als den anderen Rassen überlegen an und wollte Millionen von Menschen nur aufgrund ihrer Rasse ermorden. Auch heute werden Menschen aufgrund ihrer Rasse oder Hautfarbe benachteiligt oder ungerecht behandelt. In den USA und Südafrika wurden Schwarze jahrelang als Rasse zweiter Klasse behandelt. In vielen asiatischen und afrikanischen Ländern kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, ausschließlich wegen ihrer unterschiedlichen Rassen.
Dabei steht im Quran, dass einer der Gründe, warum unterschiedliche Völker und Stämme erschaffen wurden, darin liegt, dass die Menschen sich "gegenseitig kennen lernen" sollen. Sie alle sind die Sklaven Gottes und die verschiedenen Völker oder Stämme sollen sich gegenseitig kennen lernen, also ihre unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Bräuche und Fähigkeiten. Das Ziel, wenn unterschiedliche Rassen und Völker aufeinander treffen besteht nicht im Krieg und Kampf, sondern im kulturellen Reichtum. Diese Vielfalt stellt eine der Schönheiten in Gottes Schöpfung dar. Dass einige Menschen größer sind, einige weiß und manche gelb, ist nicht Zeichen von Überlegenheit über den Anderen und das Andere darf nicht als Mängel bewertet werden. Jeder einzelne ist nach Gottes Ebenbild und mit großer Weisheit erschaffen. Doch diese Unterschiede haben vor Gott keinerlei Bedeutung. Jeder Gläubige weiß sehr wohl, dass die einzige Erhabenheit des Menschen in der Frömmigkeit liegt, also in der Ehrfurcht vor Gott und in der Erhabenheit im Glauben. Gott lässt uns diese Tatsache in der Sure al-Hudschurat, auf diese Weise erfahren:
O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Doch der vor Gott am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Gott ist fürwahr wissend, kundig. (Sure al-Hudschurat, 13)
Wie der Vers uns wissen lässt, kennt das Gerechtigkeitsverständnis, welches Gott befielt, keinerlei Diskriminierung und jeder Mensch muss in den Genuss von Gleichheit, Toleranz und Friede kommen.
Auch unser Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat sich in seiner Zeit immer sehr gerecht den Völkern anderer Rassen gegenüber verhalten. Er hat es zu jeder Gelegenheit auf das schärfste kritisiert, wenn Menschen aufgrund ihrer Rasse eine unterschiedliche Behandlung erfahren haben und hat diese Moralauffassung als "ungebildete Moral" bezeichnet.
Unser Prophet hat daran erinnert, dass ungebildete Gesellschaften Feindschaft gegen Menschen hegen, die sich lediglich in der Hautfarbe oder der Rasse unterscheiden und die Muslime im Quran dazu aufgerufen, von diesem hässlichen Verhalten Abstand zu nehmen. Der Quran wurde dem Menschen vor 1400 Jahren mit Hilfe unseres Propheten Muhammad (s.a.w.s) als Segen geschickt. Die primitive Logik wurde durch den Quran aufgehoben und bekannt gegeben, dass alle Menschen ungeachtet der Farbe, Rasse oder Sprache, gleich sind. Unser Prophet (s.a.w.s) hat denjenigen, die der Einfachheit halber weiterhin die Menschen nach ihrer Rasse und Farbe bewerteten und im ungebildeten Glauben verfangen waren, in seiner Abschiedshutba an das arabische Volk folgendermaßen gewendet:
"Man sollte nicht mit seiner Abstammung prahlen. Die Araber stehen nicht über den Persern, weil sie Araber sind, genauso wenig wie die Perser über den Arabern stehen, weil sie Perser sind. Denn vor Gott ist der am höchsten, der Ihm gegenüber am frömmsten ist."
Unser Prophet (s.a.w.s) hat mit diesen Worten ein weiteres Mal die Menschen daran erinnert, was auch in dem 13. Vers der Sure al-Hudschurat steht, nämlich dass ein Mensch über einen anderen Menschen höchstens im Glauben erhaben sein kann. Der Islam hebt diese altmodische Sichtweise, wie es uns unser Prophet (s.a.w.s) hat wissen lassen, vollständig auf. In einer Umgebung, in welcher nach der Islamischen Moral gelebt wird, wird kein Mensch weil er Jude, Schwarzer oder amerikanische Ureinwohner ist beschuldigt, anders behandelt oder zum Opfer. Das liegt im Ermessen Gottes und Gott hat jeden Menschen auf die schönste Art und Weise geschaffen und ihm das schönste Antlitz verliehen. Man sollte über jeden Menschen jederzeit gerecht, respektvoll, tolerant, barmherzig, friedliebend und liebend denken.
Außerdem kann es eine aus dem Glauben regierte Gerechtigkeit nicht beeinflussen oder verhindern, ob ein Mensch reich ist oder arm. Es stellt eine sehr große Ungerechtigkeit dar, wenn ein Mensch ausschließlich, weil er über die finanziellen Möglichkeiten verfügt, anderen Menschen Unrecht zufügen kann oder diese tyrannisieren und dafür nicht bekommt, was er verdient. Doch wenn wir heutzutage einige Staaten betrachten, dann bemerken wir die Haltung, dass die Reichen geschützt werden und die Armen eine Behandlung zweiter Klasse erfahren. Dementsprechend profitieren einige Reiche eher von der Gerechtigkeit und betrachten es auch als ihr Recht, sich über den Armen zu sehen. Darüber hinaus arbeitet der Justizmechanismus zu seinem eigenen Vorteil. Diese Haltung ist der Grund für große Ungerechtigkeiten innerhalb von Gesellschaften, die nicht auf Grundlage der Religion leben. Während ein Teil der Menschheit gegen das große Elend kämpft, verwenden die anderen ihre Vorteile, die sie durch Reichtum erhalten haben.
Doch trotz all dieser widrigen Umstände ist es möglich Gerechtigkeit zu erhalten und ein Leben einzurichten, in dem die Menschen in gesellschaftlichem Frieden zusammenleben. Das ist möglich, wenn man die Moral des Quran für gültig erklärt und die Menschen keine Zugeständnisse an diese Wertvorstellungen machen. Denn Gott befiehlt in einem Vers folgendes:
… Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Gott steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht ... (Sure an-Nisa, 135)
Wenn man diesem Befehl Gottes gehorcht, dann wird ein Gläubiger, der vor Gott Ehrfurcht empfindet, in jedem Fall Gerechtigkeit walten lassen, egal ob die Person ihm gegenüber reich ist oder arm und egal was die Bedingungen sind. Wegen der wirtschaftlichen Lage einer Person wird er sich nicht anders verhalten. Denn er weiß, dass Reichtum oder Armut vorübergehende Zustände in dieser Welt sind, die Gott geschaffen hat, um den Menschen zu prüfen. Nach dem Tod verlieren Geld und Güter eines Menschen jeden Wert, er wird nur nach seinem Glauben bewertet. Das Verhalten, welches Gott zufrieden stimmt, ist Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Für diese schönen Tugenden erhält man das ewige Leben im Jenseits.
Gott hat für die Waisenkinder eine eindeutige Gerechtigkeit angeordnet
Eines der Beispiele des Quran über Gerechtigkeit, bietet das Eigentum von Waisenkindern. In den Versen wird angeordnet, dass die Güter von Weisenkindern, bis diese selber das Alter erreichen, indem sie diese verwalten können, auf die gerechteste Art und Weise verwendet werden. Die Sure al-An'am drückt es folgendermaßen aus:
Und kommt dem Vermögen der Waise nicht zu Nahe, außer um es zu mehren, bis sie herangewachsen ist. Und gebt Maß und Gewicht nach Gerechtigkeit... (Sure al-An'am, 152)
Auch in anderen Versen ruft Gott dazu auf, dass die Menschen sich absolut fair verhalten sollten und die Waisen daran erinnern sollten, dass sie den Besitz nicht zu schnell ausgeben, wenn sie noch nicht volljährig sind. Einige Verse zu diesem Thema sind die folgenden:
Und gebt den Waisen ihr Vermögen und tauscht nicht (euer) Schlechtes gegen (ihr) Gutes ein und schlagt nicht ihren Besitz dem eurigen hinzu; siehe, das ist ein großes Verbrechen. (Sure an-Nisa, 2)
Und prüft die Waisen, bis sie ehefähig geworden sind. Und wenn ihr bei ihnen Vernunft feststellt, dann händigt ihnen ihr Vermögen aus. Und zehrt es nicht verschwenderisch und in Eile auf, bevor sie großjährig werden. Der reiche (Vormund) enthalte sich (des Waisenguts) und der arme nutze es nach Billigkeit. Und wenn ihr ihnen ihr Vermögen aushändigt, dann lasst es vor ihnen bezeugen, obwohl Gott als Rechenschaftsleger genügt. (Sure an-Nisa, 6)
Und bleibt dem Vermögen der Waise fern, außer zu ihrem Besten, bis sie das Alter der Reife erlangt hat. Und haltet die Verträge. Siehe, für Verträge werdet ihr zur Rechenschaft gezogen. (Sure al-Isra, 34)
Wer gegen die in den Versen genannte Moral verstößt und die Güter der Waisen verschwendet und ungerecht ausgibt, wird mit Qualen bestraft. Gott sagt "Siehe, wer der Waisen Vermögen zu Unrecht aufbraucht, der füllt seinen Bauch mit Feuer und wird in der Flamme brennen." (Sure an-Nisa, 10) Und untersagt es mit diesem Vers dem Menschen, sich ungerecht zu verhalten. Wie das Beispiel zeigt, handelt es sich bei der im Quran vorgeschriebenen Gerechtigkeit um eine Gerechtigkeit, die das gesamte Leben eines Menschen umfasst. Die Sorgfalt, die ein Mensch bei der Anwendung von Gerechtigkeit obwalten lässt, ist im Leben nach dem Tod dieses Menschen dafür ausschlaggebend, ob er ins Paradies oder in die Hölle kommt.
Auch wenn ein Urteil über eine nahe stehende Person gefällt wird, muss der Gläubige der
Gerechtigkeit verpflichtet sein
Vielleicht fällt es Ihnen leicht, sich jederzeit gerecht und anhand der Richtlinien zu verhalten und vielleicht sind Sie auch in allen Ihren Urteilen gerecht. Doch wenn aufgrund Ihres gerechten Urteils eine nahe stehende Person, Ihre Mutter, Ihr Vater oder ein Verwandter körperlichen oder seelischen Nachteil erleidet, könnten Sie dieses Urteil dann ebenso leicht fällen? Können Sie gerecht, unparteiisch und offen urteilen, wenn es um eine geliebte, aber vom rechten Weg abgekommene Person geht?
Vor dieser Frage zögern viele Menschen. Und wirklich ist es für viele Menschen schwer, in so einer Situation gerecht zu bleiben. Gegenüber einer geliebten Person kann man sich toleranter verhalten als gegenüber jemand anderem und auch wenn es nur für einen Moment ist, vielleicht den Tatsachen nicht ins Auge blicken. Doch das eigentlich wichtige besteht darin, dass man die Gerechtigkeit unter keiner Bedingung und unter keinen Umständen beugt und den Vers "O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten.." (Sure an-Nisa, 135) immer sorgsam befolgt. Wenn die Menschen Vertrauen schaffen, so wird auch das Gegenüber unter jeder Bedingung sich aufrecht verhalten. Es ist klar, dass es Unsicherheiten schafft und Menschen, die auf Gerechtigkeit hoffen verunsichert, wenn nur aufgrund von Blutsverwandtschaft oder Freundschaft die Nahestehenden geschützt und behütet werden. Insbesondere wenn Menschen, die in leitenden Positionen sind, ein solches Verhalten an den Tag legen, so hat dies verheerende Folgen für die Gesellschaft.
Nur jemand, der entsprechend der Verordnungen des Quran handelt, entspricht den Richtlinien Gottes "... Und seid gerecht bei der Aussage (vor Gericht), wäre es auch gegen einen Verwandten. Und haltet euer Versprechen gegenüber Gott. All dies gebot Er euch, damit ihr es euch zu Herzen nähmt." (Sure al-An'am, 152) Diese Haltung zeugt von einem starken Glauben an Gott und von einer guten Moral.
Der Quran teilt uns zu diesem Thema ein Beispiel aus dem Leben des Prophet Moses (a.s) mit. Es wird mit dem folgenden Vers in der Sure al-Qasas erzählt:
Und er betrat die Stadt zu einer Zeit, da ihre Bewohner nicht darauf achteten. Und er fand dort zwei Männer, die miteinander kämpften, der eine von seinen Leuten und der andere von seinen Feinden. Da rief ihn der Mann von seinen Leuten zu Hilfe gegen den, der von seinen Feinden war. Moses versetzte ihm einen Faustschlag, der für ihn tödlich war. Da rief er: "Das ist ein Werk des Satans! Fürwahr, er ist ein offenkundiger Feind, der irreführt." (Sure al-Qasas, 15)
Bei diesem Ereignis war Prophet Moses (a.s) Zeuge von einem Streit, an dem auch einer seiner Anhänger beteiligt war. Prophet Moses (a.s) gesellte sich neben die Person, die zu seinen Anhängern gehörte und stellte sich mit dieser gemeinsam dessen Gegner entgegen. Während des Kampfes verpasst er dem Gegner einen Schlag und ohne es beabsichtigt zu haben, tötet er ihn dadurch. Doch später erkannte er, dass er einen großen Fehler begangen hatte. Das ist für das Gerechtigkeitsverständnis eines Gläubigen ein sehr wichtiges Beispiel. Denn eine Person zu unterstützen, lediglich weil sie einem nahe steht, ein Verwandter oder ein Freund ist, ohne erforscht zu haben, wer schuldig ist und wer unschuldig, ist eine Moralauffassung, die Gott nicht gefällt. Daher hat auch Prophet Moses (a.s), der ein heiliger Prophet war, diese Tatsache sofort erkannt und sein Handeln als "Tat des Satans“ bewertet.
Was Prophet Moses (a.s) als "Tat des Satans" bezeichnet hatte, die "Gruppendynamik“ ist hauptverantwortlich für das Blutvergießen in allen Zeiten. Die fixe Idee des Menschen, dass nicht entsprechend der Gerechtigkeit und des Gesetzes, sondern ungeachtet zugunsten des Vorteils der Familie, des Stammes, der Anhänger oder der Rasse Recht gesprochen wird, war Ausgangspunkt für unzählige Auseinandersetzungen und Kriege.
Die Haltung, die ein gläubiger Muslim gegen solche Aufhetzerei einnehmen sollte, erläutert der Quran wieder am Beispiel des Propheten Moses (a.s). Prophet Moses (a.s) hat mit seinem Gewissen sofort verstanden, dass dieses schlechte Gefühl eine von Satan gesendete Geißel an den Menschen war und bereute seinen Fehler, zu dem Satan ihn provoziert hatte und stellte gläubig seine Sache Gott anheim. Die Fortsetzung des Ereignisses über das Beispiel Moses (a.s) und sein gewissenhaftes Verhalten wird folgendermaßen geschildert:
Er sprach: "Mein Herr, ich habe mich gegen mich versündigt! Verzeihe Mir denn!" Da verzieh Er ihm. Er ist fürwahr der Verzeihende, der Barmherzige. Er sprach: "O mein Herr! Wie Du mir gnädig warst, so will ich nie mehr ein Helfer von Missetätern sein." (Sure al-Qasas, 16-17)
Der Hass gegen eine Gesellschaft kann einen Gläubigen nicht von der Gerechtigkeit abhalten
Ein Faktor, der einen Menschen daran hindern kann ein gerechtes Urteil zu fällen, rechtschaffen zu denken oder sich intelligent zu verhalten, besteht in Wut oder Hass auf die entsprechende Person oder die Gesellschaft. Das ist noch heute in ungebildeten Völkern eine weit verbreitete Herangehensweise. Einige Menschen können mit Leichtigkeit ungerecht und unmoralisch handeln, wenn es sich gegen eine Person richtet, gegen die sie feindselige Gefühle hegen. Und auch wenn sich diese Personen bewusst sind, dass es sich um grundlose Anschuldigungen handelt, dass das Gegenüber unschuldig ist, sagen sie zu dessen Ungunsten aus. Einzig und allein aufgrund dieser feindseligen Haltung sind viele Menschen unschuldig großen Benachteiligungen ausgesetzt. Einige Menschen würden, selbst wenn sie die Wahrheit kennen, gegen einen Feind nicht zu dessen Gunsten aussagen und wenn sie einen Unschuldsbeweis für diese Person in Händen haben, diesen zurückhalten. Diese Personen würden sich sogar freuen, wenn der anderen Person ein großes Leid zustößt, sie Ungerechtigkeit erfahren muss oder Qualen erleidet. Ihre größte Angst besteht darin, dass die Gerechtigkeit siegen könnte und die Unschuld der betroffenen Person bewiesen wird.
Daher ist es innerhalb einer ungebildeten Gesellschaft auch sehr schwer, dass die Menschen einander vertrauen können. Jeder muss fürchten, dass die Person, die ihm gerade gegenübersteht, ihm jeden Moment etwas Schlechtes antun könnte. Wenn das gegenseitige Vertrauen verloren gegangen ist, so gehen menschliche Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Toleranz, Barmherzigkeit, Erbarmen und Brüderlichkeit mit der Zeit verloren und der Hass zieht ein.
Doch das Urteil, das ein Gläubiger fällt, wird niemals durch die Gefühle, die er der Person oder der Gesellschaft gegenüber hegt, beeinflusst werden. Egel wie schlecht die Person ist, wie feindlich sie sich auch verhält, ein gläubiger Mensch wird immer seine eigenen Gefühle hinten an stellen, wenn er ein Urteil zu fällen hat und sich immer gerecht verhalten, ein gerechtes Urteil fällen und gerechte Ratschläge erteilen. Die Gefühle der Person gegenüber sind nicht stärker als sein Verstand oder sein Gewissen. Sein Gewissen wird ihm jederzeit sagen, dass er den Geboten und Ratschlägen Gottes folgen muss und von der guten Gerechtigkeit niemals abweichen. Denn das ist ein Gebot, das Gott den Gläubigen im Quran übermittelt hat. Die Sure al-Ma’ida erläutert das mit dem folgenden Vers:
“O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Gott bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Gott. Siehe, Gott kennt euer Tun”. (Sure al-Ma’ida, 8)
Laut diesem Vers ist eine gerechte Haltung der Frömmigkeit am nächsten. Ein gläubiger Mensch weiß, dass er die Anerkennung im Angesicht Gottes nur dann erlangen kann, wenn er sich gerecht verhält. Jeder, der Zeuge dieser schönen Moral wird, wird sich neben dieser Person wohl fühlen, ihr jede Art von Verantwortung und Aufgabe leichten Herzens anvertrauen. Solche Menschen genießen Respekt, sogar von ihren Feinden. Ihre Haltung kann sogar Ungläubige zur Umkehr bewegen, wenn diese sich daran ein Beispiel nehmen. Eines der schönsten Beispiele ist Prophet Muhammad (s.a.w.s.). Unser Prophet (s.a.w.s) hat die Herzen vieler seiner Zeitgenossen, die Christen, Juden, Ungläubige oder Polytheisten waren für den Islam gewonnen, indem er ohne Unterschied seine Toleranz und Barmherzigkeit jedem gezeigt hat.
Und auch für die heutigen Gläubigen sind ohne Zweifel die Verhaltensweisen unseres Propheten, wie sie uns der Quran lehrt, das schönste Vorbild. So wie zu Zeiten des Asr-i Saadet leben auch heute Menschen mit sehr unterschiedlichem Glauben, wie Christen, Juden, Buddhisten, Hindus, Atheisten, Ungläubige, Polytheisten und Heiden zusammen in derselben Gesellschaft. Was immer ein Muslime für sein Gegenüber empfinden mag, er muss tolerant, verzeihend, gerecht und menschlich handeln. Denn für jeden Menschen besteht die Möglichkeit, dass er zu einem späteren Zeitpunkt zum Glauben findet, Muslim wird und sich Gott anvertraut. Ein Gläubiger darf diese Tatsache niemals aus den Augen verlieren. Die Gläubigen tragen die Verantwortung, zu Gottes Religion mitsamt ihrer Schönheit, Friedfertigkeit und Toleranz einzuladen. Die Entscheidung, diese Wahrheit zu leben und zu glauben oder nicht, obliegt dem Gegenüber. Einen Menschen zum Glauben zu zwingen oder unter Zwang jemanden dazu zu bewegen etwas zu akzeptieren, widerspricht der Moral des Quran. Gott hat das über den Quran mit dem folgenden Vers mitgeteilt:
“Kein Zwang im Glauben! Klar ist nunmehr das Rechte vom Irrtum unterschieden. Wer die falschen Götter verwirft und an Gott glaubt, der hat den festesten Halt erfasst, der nicht reißen wird. Und Gott ist hörend und wissend.” (Sure al-Baqara, 256)

DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT


Eine Umgebung, in welcher die Art von Gerechtigkeit herrscht, welche wir im ersten Kapitel dieses Buches erläutert haben, ist für die meisten Menschen eine Utopie, welche nur in Büchern beschrieben wird und die Träume der Menschen ausschmückt. Dieser Ansicht nach ist es unmöglich, dass eine Gesellschaft existiert, in welcher die Gerechtigkeit regiert. Doch in der gesamten Geschichte der Menschheit gab es Zeiten, in welcher die Gerechtigkeit des Quran regierte und die Menschen miteinander in echtem Frieden, Toleranz und Sicherheit lebten.
In den Gesellschaften, denen Gott seine Botschafter zu Warnung an den Menschen schickte, herrschte große Toleranz, Frieden und Gerechtigkeit. Und jedes Volk hat seinen Gesandten. Und erst nachdem ihr Gesandter kam, wird in Gerechtigkeit zwischen ihnen entschieden, und so erleiden sie kein Unrecht. (Sure Yunus, 47) So wie hier beschrieben, wurde in dieser Zeit niemand unterdrückt und es regierte zwischen den Menschen die Gerechtigkeit.
Gott hat allen Seinen Botschaftern befohlen, dass zwischen den Menschen die Gerechtigkeit regieren möge. So wie Prophet Muhammad (s.a.w.s) es im Quran getan hat, haben auch Jesus (a.s), Moses (a.s) und David (a.s) mit ihren offenbarten Büchern die Menschen zu guter Moral, Toleranz, Frieden und Sicherheit aufgerufen. In dem Vers "Wahrlich, Wir entsandten Unsere Gesandten mit klarer Botschaft, und schickten mit ihnen das Buch und die Waage herab, auf dass die Menschen Gerechtigkeit üben möchten..." (Sure al-Hadid, 25) erklärt Gott, dass einer der Gründe, warum die Botschafter geschickt wurden, darin liegt, "die Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten”.
Prophet David (a.s) ist einer der Menschen, die im Quran als Beispiel der Propheten angeführt werden, die den Menschen Gerechtigkeit gebracht haben. Zwei Kläger wandten sich an David (a.s), damit er ihren Streit schlichten würde.
Hast du von den Streitenden gehört, wie sie über die Mauer in sein Gemach einsteigen? Wie sie bei David eindrangen und er sich vor ihnen fürchtete? Sie sagten: "Fürchte dich nicht! Wir sind zwei Streitende, von denen der eine sich gegen den andern vergangen hat. Richte daher gerecht zwischen uns und sei nicht unbillig, sondern leite uns auf den richtigen Weg. Siehe, dies ist mein Bruder. Er hat neunundneunzig Mutterschafe, ich aber habe nur ein einziges. Dennoch sagte er: "Übergib es mir!" und setzte mich stark unter Druck. (Sure Sad, 21-23)
Der Vers teilt uns mit, dass die beiden Kläger von Gottes Botschafter wünschen, dass er ihnen den rechten Weg weisen möge und den Streit schlichten. Sie vertrauen, dass er ein gerechtes Urteil fällen wird und wollten sich danach richten. Die Antwort des Propheten David (a.s) ist folgende:
(David) sprach: "Wahrlich, es war dir gegenüber Unrecht, dass er dein Mutterschaf zu seinen Mutterschafen verlangte. Doch viele Geschäftspartner vergehen sich gegeneinander, außer denen, die glauben und das Rechte tun; das aber sind nur wenige..." (Sure Sad, 24)
Dieses Urteil des Propheten David (a.s) stellt für den Gläubigen ein sehr schönes Beispiel dar. Denn Prophet David (a.s) war nicht auf der Seite des Stärkeren, sondern auf der Seite dessen, der im Recht war und hat Gerechtigkeit walten lassen. Im 25. Vers derselben Sure belohnt Gott die vorbildliche Moral des Propheten David (a.s) mit den Worten "Er wird wahrlich nahen Zugang zu Uns und eine schöne Heimkehr haben” und verspricht ihm einen schönen Ort. In 26. Vers wird so erwähnt: "... Wir machten dich zu einem Stadthalter auf Erden. So richte zwischen den Menschen in Gerechtigkeit und folge nicht deinem Vorlieben; denn es führt dich abseits von Gottes Weg..." Zweifelsfrei macht dieser Vers die Bedeutung der Gerechtigkeit deutlich, da auf diejenigen, die von Gottes Weg abkommen und die den Tag der Abrechnung vergessen, eine schlimme Qual wartet.
Prophet Schuayb (a.s) wurde dem Volk der Madyan gesandt, sein Stamm war im Handelsleben sehr ungerecht. Das Maß und die Waage wurden nicht genau geeicht, der Wert der Waren falsch angeben und die Menschen wurden betrogen. Prophet Schuayb (a.s) warnte sein Volk wegen dieser ungerechten Haltung und forderte sie zur Gerechtigkeit auf. In den Versen wird dies folgendermaßen beschrieben:
Und zu den Madyan (entsandten wir) ihren Bruder Schuayb. Er sprach: "O mein Volk! Dient Gott; ihr habt keinen Gott außer Ihm. Schon ist ein deutlicher Beweis von euerem Herrn zu euch gekommen. So gebt volles Maß und Gewicht und haltet nicht zurück, was den Leuten zusteht, und stiftet auf der wohlgeordneten Erde kein Verderben. Das ist besser für euch, so ihr glaubt. (Sure al-A'raf, 85)
In einem weiteren Vers wird daran erinnert, dass es noch wertvoller war, als der Stamm des Propheten Schuayb (a.s) das Erbarmen Gottes erlangte, dass dort Gerechtigkeit stattfand.
“O mein Volk! Gebt rechtes Maß und Gewicht und enthaltet den Leuten nichts vor und richtet auf Erden kein Unheil an. 86. Gottes Rest ist das Beste für euch, falls ihr gläubig seid. Doch ich bin nicht euer Hüter.” (Sure Hud, 85-86)
Der Quran liefert viele Beispiele für gerechte Haltung anhand von Prophet Moses (a.s), Prophet Jesus (a.s), Prophet Joseph (a.s) und den anderen Propheten und hat die Stämme, zu denen sie gesendet wurden, zu dieser Gerechtigkeit aufgerufen.
Auch unser Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat sein Leben lang das im Quran aufgetragene Gebot "…Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten…“ (Sure an-Nisa, 135) eingehalten und auf den Stamm, zu dem er entsandt war, die Gerechtigkeit angewendet. Seine überragende Sorgfalt in der Anwendung von Gerechtigkeit und seine schöne Moral haben Stück für Stück das Vertrauen der Menschen in ihn gesteigert und dabei geholfen, sie zum Glauben an Gott zu binden. Viele derer, die in den ersten Jahren nach Offenbarung des Quran noch leugneten, haben wegen der moralischen und gerechten Urteile unseres Propheten (s.a.w.s) sich ihm mit ganzem Herzen anvertraut und sind zum Islam beigetreten.
Unser Prophet (s.a.w.s) hat viele solcher Ereignisse erlebt. Ein Großteil davon ist uns über die Haditen oder über die Islamgeschichte überliefert. Unser Prophet (s.a.w.s) war zu allen Zeiten durch seine gerechte, tolerante, barmherzige und gnadenreiche Art für die Muslime ein gutes Vorbild. In allen seinen Verhaltensweisen, seinen Worten und Taten findet sich für den Gläubigen Weisheit. Gott hat in einem Vers die erhabene Moral unseres Propheten (s.a.w.s) und seine Hingabe für alle Muslime erläutert:
Wahrlich, nun kam bereits ein Gesandter aus euerer Mitte zu euch. Schwer liegen euere Missetaten auf ihm. Fürsorglich ist er für euch! Gegen die Gläubigen (aber) ist er gütig und barmherzig. (Sure at- Tauba, 128)
Das für die gesamte Menschheit beispielhafte Leben des Propheten Muhammad (s.a.w.s)
Wie wir auf den vorherigen Seiten sehen konnten, hat Gott seinen Gesandten, die er als Mahner zu den Menschen geschickt hat, aufgetragen, für Gerechtigkeit unter den Menschen zu sorgen. Der letzte Prophet Muhammad (s.a.w.s) war in Medina, dem Ort der ihm offenbart wurde, damit betraut die Religion des Islam und eine gerechte Haltung zu verbreiten.
Zu dieser Zeit gab es in Arabien, insbesondere in Mekka, eine Vielzahl von Problemen auf gesellschaftlicher Ebene. Diese vor-Islamische Zeit wird als "Zeit der Unwissenheit“ bezeichnet und es gab seinerzeit zwischen den Rassen und den Religionen große Auseinandersetzungen und aufgrund dessen herrschte Unfriede. Zwischen Stämmen unterschiedlicher Religionszugehörigkeiten herrschte Intoleranz, es gab Stammesfehden, eine ungerechte Aufteilung der Wirtschaft, Plünderungen, eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich und noch viele weitere Ungerechtigkeiten. Es konnte nicht für Gerechtigkeit gesorgt werden, die Schwachen wurden von den Starken und Reichen so weit möglich unterdrückt, die Menschen tyrannisierten sich gegenseitig aufgrund ihrer Rassen, Religionen oder Sprachen. Um ihre Mägen zu füllen mussten die Menschen unter sehr harten Bedingungen arbeiten und erlebten schwere Plagen.
Diejenigen, die wenig hatten, wurden durch das Zinssystem im Handelsleben schwer gebeutelt, während die Reichen im Überfluss lebten. Einige dieser Unsitten hatten bereits Tradition. So hat es beispielsweise die Preise beeinflusst, dass die Araber in der unwissenden Zeit die Handelskarawanen überfielen und die Reisenden plünderten, um die so erlangten Waren zu günstigen Preisen auf den Markt zu bringen. Manchmal haben sie die Waren absichtlich versteckt, um sie auf Schwarzmärkten zu verkaufen.
Der Quran liefert viele Informationen über die Gesellschaft vor der Zeit des Propheten Muhammad (s.a.w.s), die zum größten Teil aus Beduinen bestand. Mit dem Vers "Unter den arabischen Beduinen sind manche (besonders) verstockt in Unglauben und Heuchelei. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie die Vorschriften, welche Gott auf Seinen Gesandten hinabgesandt hat, nicht kennen. Und Gott ist wissend und weise." (Sure at- Tauba, 97) hat Gott im Quran erklärt, wie unwissend und unverständig dieses Volk war.
Unser heiliger Prophet Muhammad (s.a.w.s) wurde zu diesem unwissenden und ungebildeten Stamm geschickt, um ihnen die Wahrheit zu erklären und sie zum moralischen Handeln aufzufordern. Doch keinerlei Schwierigkeiten begegneten dem Botschafter Gottes und diesen "verstockten und ungläubigen" Stämmen hat er die Religion Gottes übergeben und er war ihnen ein Leben lang ein gutes Vorbild. So wie im folgenden Vers befohlen, wurde der Stamm dazu aufgerufen, immer gerecht zu sein:
Sprich: "Mein Herr hat Gerechtigkeit befohlen...” (Sure al-A'raf, 29)
Die Botschaft des Propheten Muhammad (s.a.w.s) und seine gute Moral hatten auf der arabischen Halbinsel einen großen Einfluss und die Menschen in seiner Zeit sind in Strömen dem Islam beigetreten. Die über den Quran festgesetzten gerechten Gesetze brachten eine gute Moral, Toleranz und Frieden, sowie eine Ordnung des sozialen Lebens. Einer der wichtigsten Gründe hierfür liegt darin, dass Prophet Muhammed (s.a.w.s) nach dem Vers "... wenn ihr unter den Leuten richtet, richtet nach der Gerechtigkeit." (Sure an-Nisa, 58) vorging und die Gerechtigkeit wahrte, ohne zwischen den Menschen zu unterscheiden.
Ein Beispiel dafür sind die Verträge, die unser Prophet (s.a.w.s) mit dem Volk von Najran, das über eine Schriftreligion verfügte, traf. Auf den folgenden Seiten werden wir diesen Text genauer betrachten und zeigen, dass Prophet Muhammad (s.a.w.s) ein Rechtsverständnis unter den Menschen etabliert hat, was zu dieser Zeit seines gleichen sucht. Unser Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat dies mit den Worten "Wer Gerechtigkeit sucht, wird sie finden und weder Tyrannei noch Ungemach erleiden..."1 ausgedrückt und damit gesagt, welche Art von Gerechtigkeit er den Menschen bringen wird. Aus dieser unvergleichlichen Führungsart heraus genoss der Botschafter Gottes in seiner Zeit sehr großes Vertrauen und sogar seine strengsten Feinde haben sich nicht gescheut einzuräumen, dass er sehr ehrlich und aufrecht ist.
Die Beispiele für gute Moral, die dadurch entstanden sind, dass unser Prophet (s.a.w.s) die Befehle Gottes komplett erfüllte, zeigen auch die Toleranz, Frieden und Friedlichkeit, die der Botschafter ins soziale Leben brachten. Es ist offensichtlich, dass in einem Umfeld, in welchem vollständig nach der Moral des Quran gelebt wird, so wie wir am vorherigen Beispiel sehen konnten, brüderlich und friedlich zusammengelebt wird.
Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat sich gegen jede Art von Rassismus gestellt
Wie wir bereits das gesamte Kapitel über betont haben, hat Prophet Muhammad (s.a.w.s) zu seinen Lebzeiten die Gerechtigkeit zwischen allen Menschen aufrechterhalten und die natürliche Hoheit bestimmter Sprachen, Rassen, Sozialstatus und Ethnien, wie dies in den unwissenden Glaubensrichtungen vorgesehen war, zurückgewiesen. Denn die Menschen aufgrund dieser Eigenschaften unterschiedlich zu betrachten, stellt einen starken Verstoß gegen die Moral des Quran dar. "Rassismus“ nach unserer heutigen Definition wurde im Quran verboten und ist eine Idee, die lediglich unter Unwissenden weit verbreitet ist. So wie wir im ersten Kapitel dieses Buches beschrieben haben, ist eine der Weisheiten, die sich dahinter verbirgt, dass die Menschen unterschiedlich erschaffen wurden, die Tatsache, dass sie sich "untereinander kennen lernen“ sollen. Vor Gott sind alle Menschen gleich und die einzige Erhabenheit besteht in ihrem Glauben und der Frömmigkeit zu Gott.
Unser Prophet (s.a.w.s) hat die Stämme, bei denen der Rassismus weit verbreitet war, wissen lassen, dass zwischen den Menschen der Unterschied in der Ethnie keinen Unterschied macht, dass alle Menschen vor Gott gleich sind und dass das einzig Wichtige im treuen Glauben an Gott besteht. Als unser Prophet Muhammad (s.a.w.s), die Stämme dazu einlud, dem Glauben an Gott zu folgen, ordnete er an, dass kein Unterschied zwischen den Menschen gemacht werden dürfe und sprach folgendes:
"Menschen, passt auf! Ihr habt nur einen Gott. Es gibt keine Erhabenheit als die der Frömmigkeit, kein Araber steht über einem Nichtaraber, kein Nichtaraber über einem Araber, kein Schwarzer über einem Roten, kein Roter über einem Schwarzen. Ohne Frage ist vor dem Höchsten Gott der am erhabensten, der die meiste Ehrfurcht vor Gott dem Erhabenen hegt."2
Unser Prophet (s.a.w.s) hat auch verkündet, dass Gott den Menschen aus dem Nichts erschaffen hat, dass er alle Menschen gleich erschaffen hat und im Angesicht Gottes alle Menschen alleine sind und einzeln Rechenschaft ablegen werden und es daher einen großen Irrtum darstellt, auf die Abstammung des Menschen zu sehen und darin eine Erhabenheit zu erkennen.
Ebu Hureyre hörte von unserem Propheten (s.a.w.s) folgendes:
Ihr Menschen! Wir alle sind Kinder Adams. Und Adam wurde aus Staub erschaffen. Der Mensch muss es unbedingt unterlassen, mit seiner Rasse zu prahlen.3
In einer anderen Hadise drückt Prophet Muhammad (s.a.w.s) folgendermaßen aus, dass es keine Erhabenheit zwischen den Menschen gibt, außer im Glauben.
Eure Abstammung ist nichts, was euch erhaben macht oder Hochmut gegenüber einem Anderen verleiht. (Ihr Menschen)! Ihr seid alle die Kinder Adams. Ihr seid wie die Weizenkörner auf einem Messlöffel, die einander wie ein Ei dem anderen gleichen… Dabei ist niemand über den anderen erhaben, außer in der Religion und Frömmigkeit. Damit ein Mensch schlecht ist, reicht es aus, dass er das Essen eines anderen isst, ihn missachtet, geizig ist, schlechter Gesinnung ist oder alle Grenzen überschreitet.4
Unser Prophet (s.a.w.s) hat sein gesamtes Leben über die Menschen dazu aufgerufen ihren unwissenden und ketzerischen Glauben aufzugeben und ein Leben nach den Gesichtspunkten zu führen, die im Quran aufgetragen sind. Im Quran wird die rassistische Haltung als "Schutz der Abstammung“ bezeichnet und die ungestüme Haltung der Menschen in Bezug darauf wird kritisiert. Ein Vers zu diesem Thema lautet wie folgt:
Als die Ungläubigen in ihren Herzen blinden Eifer trugen, den blinden Eifer der Unwissenheit, da senkte Gott Seine Ruhe auf Seinen Gesandten und die Gläubigen und machte ihnen ständiges Gottesbewusstsein zur Pflicht; denn sie waren dessen am würdigsten und verdienten es am meisten. Und Gott kennt alle Dinge. (Sure al-Fath, 26)
In diesem Vers wird deutlich, dass die Muslime, die dem Ruf Gottes folgen, sowohl zu Zeiten des Propheten Muhammad (s.a.w.s), als auch in den darauf folgenden Zeiten in Frieden und Sicherheit lebten, während der Zeiten eines gerechten Herrschers.
Das Abkommen, welches zu Zeiten unseres Propheten (s.a.w.s) mit den Anhängern der Schriftreligionen und Heiden unterzeichnet wurde, befriedete die Gesellschaft
Nach der Hidschra unseres Propheten (s.a.w.s) von Mekka nach Medina, war er mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich aus sehr unterschiedlichen Menschen zusammensetzte. Zu dieser Zeit hatten Juden und Christen einen sehr großen gesellschaftlichen Einfluss in Medina und lebten mit Heiden zusammen, die noch dem alten Religionsverständnis anhingen und nicht zum Islam beigetreten waren. In dieser Umgebung versuchte Prophet Muhammad (s.a.w.s) gesellschaftliche Einheit und Frieden herzustellen und zu diesem Zweck hat er innerhalb der kosmopolitischen Strukturen in Medina mit unterschiedlichen Gruppierungen teils via Briefwechsel, teils in persönlichen Gesprächen versucht eine Einigung zu erreichen.5 T. W. Arnold, hat die Bedeutung der gesellschaftlichen Einheit, die unser Prophet (s.a.w.s) versucht hat herzustellen, mit folgenden Worten beschrieben:
"Während zuvor in der arabischen Welt keine Ergebenheit unter einen einzigen Befehl herrschte, wurde plötzlich eine politische Einheit erreicht und sich diesem Befehl anvertraut. Prophet Muhammad (s.a.w.s) brachte die sozialen Splittergruppen, die teilweise aus nur 100 Mitgliedern bestanden und miteinander in ständigem Konflikt standen, zusammen."6
In vielen Versen des Quran ist beschrieben, dass die Anhänger anderer Religionen in Toleranz lebten. Das ist eine Ethik, die im Charakter des Islam vorgesehen ist. Gott befielt den Muslimen in einem Vers, dass sie an jedes heilige Buch glauben sollen und dass sie dem Glauben dieser Bücher Respekt zollen sollen.
Lade darum dazu ein und verhalte dich richtig, so wie dir anbefohlen worden ist. Und folge nicht ihren Neigungen und Abneigungen, sondern sprich: "Ich glaube an das Buch, das Gott hinabgesandt hat. Mir wurde geboten, zwischen euch gerecht zu richten. Gott ist unser Herr und euer Herr; für uns unsere Werke und für euch euere Werke! Kein Streit sei zwischen uns und euch. Gott wird uns (alle) versammeln, und zu Ihm ist die Heimkehr. (Sure asch-Schura, 15)
In der oben aufgeführten Sure steht beschrieben, wie sich ein Muslim den Anhängern der anderen Religionen gegenüber verhalten soll. Muslime sind verpflichtet sich an der Ethik des Propheten ein Beispiel zu nehmen und allen Menschen gegenüber dieselbe Gerechtigkeit und Toleranz walten zu lassen. Egal, ob es sich dabei um einen Juden, Christen, Heiden, Buddhisten oder gar einen Atheisten handelt. Egal an was oder wen ein Mensch glaubt oder auch wenn er gar keinen Glauben hat, so muss man sich gerecht und aufrichtig verhalten, denn das wird einen positiven Einfluss auf die entsprechende Person haben und dabei helfen, dessen Herz für den Islam zu erwärmen.
Als unser Prophet (s.a.w.s) nach Medina kam, hat er gezeigt, dass die Menschen unterschiedlicher Rassen, Religionen und Sprachen, wenn sie sich brüderlich und tolerant verhalten, gemeinsam in Frieden zusammenleben können. Einer der wichtigsten Beweise für seine Aufforderung zu Frieden und Toleranz besteht in einem der ersten Schriftsätze, die er verfasst hat. Es handelte sich dabei um ein Friedensabkommen.7 Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat nach der Eroberung Mekkas sogar diejenigen Heiden freigelassen, die zuvor die Muslime gefoltert hatten und ihnen große Toleranz entgegengebracht. Für diese erhabene Ethik unseres Propheten Muhammad (s.a.w.s) gab es in der arabischen Welt zuvor kein Beispiel und wurde von den Menschen mit Hochachtung betrachtet.
Auch bei der Eroberung fremder Länder in dieser Zeit, war Prophet Muhammad (s.a.w.s) für alle Muslime ein Vorbild in Bezug auf die wahre Gerechtigkeit, die er obwalten lies. Der Prophet wendete auf das Volk der eroberten Länder die im Quran bekannt gegebene Gerechtigkeit an und traf Abkommen mit ihnen, die beide Seiten zufrieden stellten und die Menschen nicht den geringsten Nachteil erleben lies. Daher sind die Angehörigen jeder Religion oder Rasse, nachdem ihr Land erobert wurde, der durch den Islam gebrachten Gerechtigkeit mit Zufriedenheit begegnet. Denn Prophet Muhammad (s.a.w.s) und seine Anhänger erinnerten sich an den Vers "Und unter denen, die wir erschufen eine Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet und ihr gemäß gerecht handelt.“ (Sure al-A'raf, 181) und so entstand zwischen den Menschen eine Gemeinschaft, die Gerechtigkeit brachte.
Eines der schönsten Beispiele für die Toleranz und Gerechtigkeit unseres Propheten (s.a.w.s) besteht in dem Vertrag, welchen er mit dem christlichen Volk der Najran auf dem südlichen Teil der Arabischen Halbinsel abgeschlossen hat. Einer der Paragraphen des Vertrages lautet wie folgt:
"Alles, was das Volk von Najran und dessen Gefolge an Lebewesen, Waren, besitzt, ob sie eine Religion haben oder nicht, ihre Familien, Angehörigen und alles, was sie besitzen gehört Gott und wird unter den Schutz von Gottes Propheten gestellt."8
Unser Prophet (s.a.w.s) hat mit diesem und ähnlichen Abkommen dafür gesorgt, dass der im Folgenden aufgeführte Vers der Gesellschaft offenbart wird und die Nicht-Muslime mit den Muslimen gemeinsam ein Leben voll Behaglichkeit und Frieden führen können.
Siehe, die da glauben, auch die Juden und die Christen und die Sabäer- wer immer an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht kommt über sie, und sie werden nicht traurig sein. (Sure al-Baqara, 62)
Die zuvor aufgeführten Beispiele sind nur einige wenige für die Gerechtigkeit, die unser Prophet (s.a.w.s) walten lies. Doch der bedeutendste dieser Verträge ist der Vertrag von Medina, den unser Prophet (s.a.w.s) gemeinsam mit der christlichen, jüdischen und heidnischen Bevölkerung schloss. Noch heute ist dieser Vertrag häufig der Inhalt von Artikeln, es wurden weitgehende Forschungen darüber erstellt.
Der Vertrag von Medina wurde vor rund 1400 Jahren, im Jahr 622 geschlossen. Um die Ansprüche von Anhängern unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu befriedigen, wurde Prophet Muhammad (s.a.w.s) federführend in diesem schriftlichen juristischen Vertragswerk, dass er entstehen lies. Im Endergebnis erhielten alle unterschiedlichen Religionsgruppen und Rassen, die über 120 Jahre in Feindschaft miteinander gestanden hatten, einen Platz in dem Abkommen. Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat durch diesen Vertrag ein Ende für die Fehden zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen, die sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit angegriffen haben und einander feindselig gesinnt waren, gefunden und ihnen einen Weg gezeigt, wie sie miteinander auskommen und zusammen leben können.
Nach dem Vertrag von Medina steht es jedem Menschen frei, ohne irgendeinem Druck ausgesetzt zu sein, seine Religion, Rasse, politische oder philosophische Ausrichtung zu wählen. Dadurch entsteht eine Gemeinschaft aus Individuen, die ihre eigenen Ansichten vertreten. Es steht ihnen frei, ihr eigenes Rechtssystem anzuwenden. Doch jemand, der eine Straftat begangen hat, wird von niemandem geschützt. Die Gruppen, die das Abkommen unterzeichnet haben, helfen einander gegenseitig, liefern Unterstützung und stehen unter dem Schutz unseres Propheten Muhammad (s.a.w.s). Bei Streitigkeiten unterschiedlicher Parteien wird das Anliegen an den Gesandten Gottes angetragen.
Unser Prophet (s.a.w.s) setzte diesen Vertrag stufenweise von 622 bis 632 um. Mit diesem Pakt wurde das auf Blut und Verwandtschaftsbeziehungen aufbauende Stammessystem abgelöst und Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, kultureller und ethnischer Abstammung fanden zusammen um eine Einheit zu bilden. Der Vertrag von Medina sicherte eine große Glaubens- und Religionsfreiheit. Der Paragraph, durch den diese gesichert war, ist folgender:
"Die Juden von Banu Awf bilden mit den Muslimen eine Nation; die Juden haben ihre Religion und die Muslime haben ihre."9
Dieser Vertrag hat den Juden und Heiden ein Mitgliedsrecht eingeräumt. Der 16. Paragraph besagt, dass "der Jude, der uns folgt, genießt unsere Unterstützung und dieselben Rechte wie jeder einzelne von uns. Er soll nicht ungerecht behandelt werden und seinem Feind soll nicht geholfen werden."10 Diese Auffassung haben die Getreuen und Nachfolger unser Prophet (s.a.w.s) auch zu späteren Zeiten auf Berber, Buddhisten, Brahmanen und andere angewendet und ihnen die entsprechenden Rechte eingeräumt.11 Die Konflikte in der damaligen Zeit waren einfach zu lösen und jeder zollte dem Glauben des Nächsten Respekt und für einen langen Zeitraum herrschten Frieden und Gerechtigkeit.
So wie mit den Anhängern der Schriftreligionen schloss der Prophet auch mit den Heiden einige Verträge, die das gesellschaftliche Zusammenleben regelten. Den Heiden gegenüber handelte er jederzeit gerecht und er gewährte ihnen Schutz und Sicherheit.
Dieser Anspruch auf Schutz bedeutete, dass sie gegen die Möglichkeit eines Angriffs oder eines Unrechts beim Propheten Unterschlupf finden konnten. Sein gesamtes Leben lang stellten viele Nicht-Muslime und Heiden Anspruch auf Schutz an unseren Propheten (s.a.w.s). Er hat sie dann auch unter seine Obhut genommen und für ihre Sicherheit gesorgt. Gott hat über die Sure Tauba wissen lassen, dass die Heiden, wenn sie Anspruch auf ihr Asylrecht stellen, dieses gewährt werden muss. Der Vers drückt dies folgendermaßen aus:
Und wenn einer der Götzendiener bei dir Zuflucht sucht, dann gewähre ihm Zuflucht, damit er Gottes Wort vernimmt. Dann lass ihn den Ort erreichen, an dem er, sich sicher fühlt. Dies, weil sie ein unwissendes Volk sind. (Sure at-Tauba, 6)
Wie aberkönnen die Götzendiener mit Gott und seinem Gesandten in ein Bündnis treten, außer jenen, mit denen ihr in der Nähe der unverletzlichen Moschee einen Vertrag geschlossen habt? Doch so lange sie euch treu bleiben, haltet ihnen auch die Treue. Siehe, Gott liebt die Gottesfürchtigen. (Sure at-Tauba, 7)
Dem Vers können wir entnehmen, dass Gott den Heiden gegenüber eine gerechte Haltung fordert. Wenn sie Schutz suchen, so sind die Muslime dazu verpflichtet, ihnen Sicherheit zu gewähren.
Die Schriftreligionen in der Zeit unseres Propheten (s.a.w.s)
Wie wir anhand der Beispiele auf den vorangegangenen Seiten gesehen haben, hat unser Prophet (s.a.w.s) in den ersten Jahren, in denen er den Islam verbreitete, eng mit den Christen zusammengearbeitet. Während die Muslime in Mekka von den Heiden unterdrückt wurden, empfahl unser Prophet (s.a.w.s) ihnen nach Äthiopien auszuwandern, das von Christen bewohnt war. Der christliche Herrscher dieses Landes, Necasi, nahm die Muslime, die in diese Region flohen, auf und schützte sie vor der Verfolgung.
Im Quran werden die Jünger des Propheten Jesus (a.s) den Muslimen als Beispiel für Gottes Botschafter genannt. Zwischen den ersten Muslimen und den ersten Christen gab es auch große Gemeinsamkeiten. Die ersten Glaubenden waren vielen Leiden und Folter ausgesetzt und dennoch haben sie die Verbindung zu den Gesandten aufrechterhalten. Der Quran drückt sich folgendermaßen über die ersten Christen zu Zeiten des Propheten Jesus (a.s) aus, die einen treuen Glauben hatten und sich dem Glauben an Gott übergeben hatten.
Und als Jesus ihren Unglauben wahrnahm, sprach er: "Welches sind meine Helfer auf dem Weg zu Gott?" Die Jünger sprachen: "Wir sind Gottes Helfer. Wir glauben an Gott und bezeugen, dass wir gottergeben sind. (Sure al-Imran, 52)
Und als Ich den Jüngern eingab: "Glaubt an Mich und an Meinem Gesandten", da sprachen sie: "Wir glauben, sei Du auch Zeuge, dass wir Dir ergeben sind.“ (Sure al-Ma’ida, 111)
Auch die Toleranz unseres Propheten (s.a.w.s) den Juden gegenüber ist für die Gläubigen ein schönes Beispiel. Während des Vertrags von Medina verhielt sich unser Prophet (s.a.w.s) den Juden gegenüber tolerant und gemäßigt. In einer Hadithe soll er gesagt haben "Zwischen den Muslimen und Juden wird Hilfsbereitschaft, Beratung und Güte herrschen"12. Und dieses Wort hat er in die Tat umgesetzt. Diese gerechte und tolerante Haltung unseres Propheten (s.a.w.s) bestand gegenüber allen Menschen jeder Religion und jeder Rasse. Unser Prophet (s.a.w.s) hat jederzeit den Weg des Friedens und der Vergebung bevorzugt, trotz jeder Art von Verrat, Angriff und Fallen und uns dies mit den Worten "Die da spenden in Freud und Leid und den Zorn unterdrücken und den Menschen vergeben ...“ (Sure al-Imran, 134) überliefert. Und mit dem Vers "Lade zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung ein, und diskutiere mit ihnen auf die beste Art und Weise…” (Sure an-Nahl, 125) wurden die Menschen jederzeit mit einem guten Rat zum Islam eingeladen.
Auch zur Zeit der Kalifen wurde die Gerechtigkeit entsprechend des Quran umgesetzt
Auch die Kalifen, die an die Stelle des Propheten Muhammad (s.a.w.s) kamen, nachdem dieser verstorben war, verhielten sich sehr sensibel in Bezug auf die Umsetzung von Gottes Gerechtigkeit. In den eroberten Ländern lebte nicht nur das dortige Volk, sondern auch die neu ankommenden in Frieden und Sicherheit. Der erste Kalif, Ebubekir hat bei seinem Abzug aus Syrien nach der Eroberung eine Anweisung gegeben. Die Gerechtigkeit und Toleranz, welche er in den eroberten Ländern anwenden wollte, sind ein schönes Beispiel für die Moral des Quran. Ebubekir gab folgende Anweisungen:
"Ihr Menschen, ich gebe euch zehn Gesetzte, die ihr mit euren Herzen befolgen mögt: Begeht keinen Verrat und kommt nicht vom rechten Weg ab. Mordet keine Kinder, Frauen und Alten. Brennt nicht die Dattelbäume ab und zerstört diese; Fällt keinen einzigen Obstbaum. Tötet auch keine Kamele. Bewahrt sie für euch auf. Ihr werden Menschen begegnen, die ihr Leben dem Jenseits gewidmet haben und sie dem Einsiedlertum überlassen. Ihr werdet Menschen begegnen, die euch die unterschiedlichsten Speisen darbieten werden. Esst, doch vergesst dabei nicht, euch an den Namen Gottes zu erinnern."13
Auch Kalif Ömer war für seine Gerechtigkeit berühmt und hat nach Ebubekir so wie unser Prophet (s.a.w.s) verschiedene Abkommen mit der Bevölkerung der eroberten Länder geschlossen, die beispielhaft für Gerechtigkeit und Toleranz sind. So hat Kalif Ömer beispielsweise den Christen in Jerusalem zugesichert, dass er ihre Kirchen nicht abreißen wird und eine Garantie darauf gewährt, dass die Muslime sich nicht in den Kirchen zur Andacht versammeln. Den Christen in Bethlehem sicherte er dieselben Bedingungen zu. Bei der Eroberung von Medain wurde dem Nasturi Patriarchen Isuayheb II. (650-660) dieselbe Sicherheit gewährt, nämlich dass die Kirchen nicht abgerissen werden und kein Gebäude in eine Moschee oder Wohnhaus umgewandelt wird14. Ein Brief des III. Nasturi Patriarchen, den er nach der Eroberung an einen Freund verfasst hat, ist ein schönes Beispiel für die Barmherzigkeit und Toleranz, welche den Buchreligionen entgegengebracht wurde, geschildert aus dem Blickwinkel eines Christen.
"Gott hat seinen Willen den Arabern gegeben… sie haben uns nicht gequält. In der Tat haben diese unserer Religion, unseren religiösen Ämtern, Kirchen und Klöstern gegenüber Respekt gezeigt…" 15
Der Schutz, den Prophet Ömer gewährte, belegt, wie ein Muslim die im Quran beschriebene Moral zeigt und Toleranz aufbringt.
"Der erteilte Schutz umfasst Gesunde und Kranke, Gute und Schlechte, sämtliche Individuen des Gebietes samt ihrer Religion, Leben, Eigentum, Kirchen und Anhänger. Genauso wenig wie die Kirchen verwüstet werden, werden die Wohnhäuser zerstört und es wird nichts von dort entwendet werden. Niemand im Volk wird auch nur den geringsten Schaden nehmen. Die in diesem Buch niedergeschriebenen Bedingungen sind die Bringschuld, die aus dem Vertrag mit Gott und dem Propheten für die Kalifen und Muslime entstanden ist."16
All diese Beispiele zeigen weise das Verständnis von Gerechtigkeit und Toleranz der gläubigen Muslime.
Dank der Eroberungen in der Zeit der Kalifen wurde die Bevölkerung nicht nur von Unterdrückung befreit, sondern hatte auch die Möglichkeit, den Islam kennen zu lernen. Die Bevölkerung wurde niemals dazu gezwungen dem Islam beizutreten. Gott spricht: "Euch euer Glaube und mir mein Glaube!" (Sure al-Kafirun, 6) Diesem Vers nach kann jeder seine Religion und Gottesandacht frei ausleben und ist keinerlei Druck ausgesetzt. Die Religion des Islam wurde dadurch erlebt und gelernt, dass wahre, nach dem Glauben lebende Muslime, als Vorbild dienten und der Islam gewann dadurch einen großen Einfluss. Ein großer Teil der Bevölkerung folgte der Einladung der Gläubigen, die sich mit ganzem Herzen Gott hingaben und so erfreute sich der Islam eines regen Zuwachses. In der Zeit des Kalifs Ebubekir beispielsweise hat sich ein Teil der Christen von Kinde und Iyad nach der Eroberung von Damaskus ganz ohne Zwang aus eigenem Wunsch dazu entschieden, dem Islam beizutreten.17 Der Glaube, dass die von Muslimen eroberten Länder dazu gezwungen wurden dem Islam beizutreten wird auch von westlichen Forschern abgewiesen. Jeder kennt die gerechte und tolerante Haltung der Muslime. Der westliche Forscher L. Browne drückt diese Tatsache folgendermaßen aus:
"… Es ist eine wahre Tatsache, dass die Muslime das Volk in den Regionen, die sie erreichten, nicht mit dem Schwert zum Übertritt zum Islam zwangen und es lässt sich beweisen, dass diese aus christlichen Quellen stammenden Behauptungen nicht haltbar sind... Der dynamische Einfluss während der Eroberungen bestand im Aufruf zur Brüderlichkeit des Islam… Und im Rahmen dieser Brüderlichkeit wuchsen die Anhängerscharen an, wie eine Lawine."18

DIE SCHRIFTRELIGIONEN IM QURAN


A uf der Welt gibt es die unterschiedlichsten Gesellschaften, die sich in Hautfarbe, Sprache und Religion unterscheiden. Diese Unterschiede waren, wie wir bereits in den vorherigen Kapiteln gesehen haben, über Jahrhunderte Grund für Feindschaft. Die zwischen den Menschen so weit verbreitete Überzeugung besagt, dass Menschen mit so unterschiedlichen Eigenschaften niemals in Frieden zusammenleben können und dass zwischen ihnen immer Konflikte herrschen werden. Das ist ein großer Irrtum. Denn Gott hat die Menschen als unterschiedliche Gruppen erschaffen. Und Gott hat im Quran alle Menschen dazu aufgerufen, in Frieden und Sicherheit zusammen zu leben.
O ihr, die ihr glaubt! Gebt euch Gott ganz und gar hin und folgt nicht den Fußstapfen des Satans; siehe, er ist offenkundig euer Feind. (Sure al-Baqara, 208)
Und Gott lädt zur Wohnung des Friedens ein und leitet, wen Er will, auf einen rechten Pfad. (Sure Yunus, 25)
Mit Seiner Gesandten hat Gott die Menschen aller Religionen aufgefordert, an den einzigen Gott zu glauben und Er empfiehlt die gute Moral und verurteilt die schlechte Moral. Auch wenn anders als der Islam die übrigen Religionen heute verfälscht sind, kann man dennoch in einigen Bereichen erkennen, dass die grundsätzliche Botschaft gleich ist. Daher gibt es für diese künstlichen Konflikte, welche wir heute erleben, keine wirkliche Grundlage und keine logische Erklärung. Wie im oben zitierten Vers beschrieben, liegt der Hauptgrund für Unstimmigkeiten zwischen den Menschen darin, dass sie der Einladung zum Glauben an Gott nicht folgen und "auf den Wegen des Satans wandeln".
Der Herr des Himmels und der Erde hat Seinen Gläubigen untersagt, dass sie gegeneinander feindselige Gefühle hegen und alle Gläubigen wissen, dass es sich dabei um eine Moral handelt, die Gott verzürnt. Gott hat den Menschen Frieden, Toleranz und Freundschaft befohlen. Gott hat im Quran, den Er mittels Seines letzten Gesandten, dem Propheten Muhammad (s.a.w.s) übermittelt hat, den Gläubigen sehr eindeutige Befehle und Anweisungen zu diesem Thema gegeben.
Die Schriftreligionen im Quran
Der Quran bezeichnet diejenigen, die Religionen angehören, die mittels Gesandter Gottes an die Menschen weitergegeben wurden, also die Juden und die Christen, als Schriftreligionen. In den Versen und den Haditen unseres Propheten (s.a.w.s) ist genau erklärt, wie die Gläubigen sich den Schriftreligionen gegenüber verhalten sollen und wie sie ihre Beziehungen und das soziale Leben regeln sollen. Die Schriftreligionen gehen im Grunde auf die Offenbahrungen Gottes zurück und verfügen über viele moralische Werte sowie über die Begriffe verboten und rechtmäßig. Daher ist eine Mahlzeit, welche ein Angehöriger einer Schriftreligion zubereitet hat, im Quran für die Muslime als rechtmäßig definiert. Auch dürfen Muslimische Männer Frauen heiraten, die einer Schriftreligion angehören. In dem entsprechenden Vers spricht Gott folgendes:
Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Auch die Speise derer, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, so wie euere Speisen ihnen erlaubt sind. Und (erlaubt sind euch zu heiraten) tugendhafte Frauen, die gläubig sind, und tugendhafte Frauen von denen, welchen die Schrift vor euch gegeben wurde, sofern ihr ihnen ihr Brautgeld gegeben habt und tugendhaft mit ihnen lebt, ohne Unzucht, und keine Geliebten nehmt. Wer den Glauben verleugnet, dessen Werk ist fruchtlos, und im Jenseits ist er einer der Verlorenen. (Sure al-Ma’ida, 5)
Wenn man die Islamgeschichte betrachtet, so sieht man, dass die Muslimische Gesellschaft den Anhängern der Schriftreligionen gegenüber jederzeit warm und tolerant war. Dies wird insbesondere anhand unseres kulturellen Erbes, dem Osmanischen Reich, deutlich. Während die Juden im katholischen Spanien nicht das Recht auf Leben hatten und verfolgt wurden, fanden sie im Osmanischen Reich den Frieden, den sie suchten. Wenn wir auch die späteren Kapitel näher betrachten, sehen wir, dass Sultan Mehmet der Eroberer den Christen und Juden in Istanbul nach der Eroberung das Recht auf ein freies Leben gewährt hat. Während der gesamten osmanischen Geschichte wurden die Juden als Schriftreligion betrachtet und hatten die Möglichkeit in Frieden zu leben.
Wie sollten Muslime zu den Juden stehen?
Wie wir anhand der Beispiele auf den vorherigen Seiten gesehen haben, hat sich unser Prophet (s.a.w.s) den Schriftreligionen gegenüber immer gerecht und tolerant verhalten. Aufgrund dieses Verhaltens unseres Propheten (s.a.w.s) sind der führende jüdische Rabbi Abdullah Ibn Selam und seine Freunde dem Islam beigetreten und haben ihm geglaubt.
In der europäischen Geschichte gab es die Inquisition, die aus dem religiösen Fanatismus der Christen heraus entstanden ist oder auch den Antisemitismus, der aus der Rassenidee entstanden ist. In der Islamischen Welt hat es so etwas niemals gegeben. Die Kämpfe und der Unfrieden, welche zwischen Juden und Muslimen im 20. Jahrhundert im Mittleren Osten aufgetaucht sind, entstammen einer abseits der Religion, auf Rassismus basierenden Ideologie, dem Zionismus. Dafür sind die Muslime nicht verantwortlich.
Der Zionismus ist sicherlich für die Muslime und für den Weltfrieden eine äußerst gefährliche und schädliche Ideologie. Der Kampf gegen die Idee des zionistischen Judentums ist die Aufgabe jedes Menschen, egal welcher Religion oder politischen Auffassung er ist, ebenso wie jedes Muslimen. Doch wie in Bezug auf alle Bereiche, muss auch hier Gerechtigkeit herrschen und vorurteilsfrei gehandelt werden. Wenn sich die Muslime gegen die Zionisten stellen, dann dürfen sie die unschuldigen Juden nicht unterdrücken und sind dazu verpflichtet, Ungerechtigkeiten zu verhindern.
So wie jede Art des Rassismus ist auch der Antisemitismus eine Ideologie, die der Islamischen Moral widerspricht. Ein Muslim unterscheidet die Menschen nicht nach ihrer Religion, Rasse oder ethnischen Abstammung und ist gegen jede Art von Völkermord, Folter und Unterdrückung. Die Muslime unterstützen nicht die geringste Ungerechtigkeit, die gegen Juden oder ein anderes Volk begangen wird, sie verurteilen dies. Im Quran werden diejenigen, die sich subversiv verhalten, den Menschen unterdrücken und zu unrecht Leid zufügen, verdammt. Folgende Verse beschäftigen sich mit dem Thema:
Und suche mit dem, was dir Gott gegeben hat, die künftige Wohnung, ohne deinen Anteil an dieser Welt zu vergessen. Und tu Gutes, so wie Gott dir Gutes tat, und stifte kein Verderben auf Erden; siehe, Gott liebt nicht die, welche Unheil stiften!" (Sure al-Qasas, 77)
Wenn ihr euch abwendet, wollt ihr dann vielleicht Unheil auf Erden stiften und euere Blutsbande zerreißen? Solche (Leute) verflucht Allah. Er hat sie taub gemacht und ihre Augen geblendet. (Sure Muhammad, 22-23)
Vorwurf trifft nur die, welche die Menschen unterdrücken und auf Erden ohne jede Rechtfertigung Gewalttaten verüben. Ihnen steht schmerzliche Strafe bevor. (Sure asch-Schura, 42)
Entsprechend dem Willen Gottes dürfen die Reaktionen gegen den Zionismus niemals eine „Judenfeindlichkeit“ annehmen und unschuldige Menschen dürfen keinen Schaden dadurch nehmen. Gerecht und barmherzig sein bedeutet genau das.
So wie der Antisemitismus sind auch die anderen Beispiele für Rassismus (beispielsweise gegen Schwarze) Irrungen, die aus unterschiedlichen Ideologien und eitlem Aberglauben entspringen. Wenn man den Antisemitismus und andere Beispiels für Rassismus näher betrachtet, so vertreten diese eine Moral, die ganz im Gegensatz der des Qurans steht und vertritt ein ebenso gegensätzliches Gesellschaftsmodell. In den Wurzeln des Antisemitismus liegen Hass, Gewalt und Unbarmherzigkeit. Ein Antisemit kann so erbarmungslos sein, dass er sogar dafür eintritt, Juden (auch Frauen, Kinder und Alte) zu foltern oder zu töten. Dabei lehrt die Moral des Quran den Menschen Gerechtigkeit, Liebe, Erbarmen und Barmherzigkeit. er befiehlt den Muslimen sogar in Bezug auf ihre Feinde gerecht und wenn nötig versöhnlich zu sein. Im Quran heißt es: "… wer angeordnet, dass wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat…" (Sure al-Ma’ida, 32) Daher ist es ein nicht als gering anzusehendes Verbrechen, wenn man auch nur einen einzigen unschuldigen Menschen tötet.
Allerdings sind Antisemiten nicht bereit mit Menschen, die einer anderen Rasse, einer anderen ethnischen Abstammung oder einen anderen Glauben haben, zusammen zu leben. So sind beispielsweise die deutschen Rassisten, die Nazis, und die jüdischen Rassisten, die Zionisten, nicht bereit, dass Juden und Deutsche zusammenleben und beide Seiten betrachten die Anderen als Degeneration ihrer eigenen Rasse. Dabei trifft der Quran nicht die geringste Unterscheidung zwischen den Rassen und unterstützt Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen dabei, zusammen in einer Gesellschaft zu leben.
Im Quran werden diejenigen unterschieden, die nicht glauben und Gottes Religion nicht anerkennen. Es wird bekannt gegeben, dass gegen diejenigen, die sich gegen die Religion richten, Haltung angenommen werden muss aber gegen die, die keine Feindschaft zeigen, Gerechtigkeit obwalten muss.
Gott verbietet euch nicht, gegen die gütig und gerecht zu sein, die euch nicht wegen eueres Glaubens bekämpft oder euch aus eueren Häusern vertrieben haben. Gott liebt fürwahr die gerecht Handelnden. 9. Gott verbietet euch nur, mit denen Freundschaft zu schließen, die euch des Glaubens wegen bekämpft oder euch aus eueren Wohnungen vertrieben oder bei euerer Vertreibung geholfen haben. Wer mit ihnen Freundschaft schließt, tut Unrecht. (Sure al-Mumtahina, 8-9)
Im Quran wird den Menschen befohlen, dass sie nicht gegen die Angehörigen einer Rasse, eines Volkes oder einer Religion pauschal richten sollen. In jeder menschlichen Gesellschaft gibt es gute und schlechte Menschen. Darauf macht der Quran aufmerksam. Nachdem beispielsweise erklärt wurde, dass ein Teil der Schriftreligionen sich gegen Gott und seine Religion auflehnen, wird festgestellt, dass es sich dabei um eine Ausnahme handelt. Es heißt wie folgt:
Sie sind aber nicht alle gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es eine aufrechte Gemeinde, welche die Verse Gottes zur Zeit der Nacht liest und sich niederwirft. Diese glauben an Gott und an den Jüngsten Tag und gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und wetteifern in guten Werken; und sie gehören zu den Rechtschaffenen. Und was sie an Gutem tun, es wird ihnen niemals bestritten; und Gott kennt die Gottesfürchtigen. (Sure Al-Imran, 113-115)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für Muslime, die Ehrfrucht vor Gott haben und entsprechend den Geboten des Quran denken, nicht möglich ist gegen Juden aufgrund ihrer Religion oder ihres Glaubens eine Feindschaft zu hegen. Die Moral des Quran hat jede Art von Rassismus aufgehoben. Daher kann sich kein Muslime, der dem Quran verpflichtet ist, rassistisch verhalten und Menschen wegen ihrer Rasse demütigen. Der Quran befiehlt, dass wenn gegenüber dem Islam und den Muslimen keine feindselige Haltung eingenommen wird, man sich gegenüber anderen Religionen höchst freundschaftlich und gemäßigt verhalten soll. Daher zeigen Muslime, die dem Quran verpflichtet sind, anderen Religionen, insbesondere den Schriftreligionen gegenüber, eine besonders freundschaftliche und gütige Haltung.
Der Blickwinkel eines Muslims in Bezug auf das Judentum und den Völkermord muss auf diesen Grundmerkmalen beruhen. Kritik an den Juden darf lediglich aufgrund ihres rassistischen Verhaltens, dem Blutvergießen im Namen des Zionismus, einigen Verfälschungen an den Geboten des Alten Testaments und aufgrund der Unterdrückung anderer Menschen geübt werden. Der Wunsch der Muslime besteht darin, das sowohl die antisemitischen rassistischen Bewegungen als auch die von Seiten der Juden durchgeführten rassistischen Ideologien, wie der Zionismus, Geschichte werden und eine Weltordnung entsteht, in der alle Rassen und Glaubensrichtungen in Frieden und auf Gerechtigkeit beruhend zusammenleben.
Respekt vor den Andachtsorten der Schriftreligionen
Die Muslime müssen den Andachtsorten der Schriftreligionen gegenüber respektvoll verhalten und diese Orte schützen. Egal ob diese den Christen oder den Juden gehören, weil man sich im Inneren an den Namen Gottes erinnert, sind sie für die Muslime wertvoll und müssen von allen Gläubigen geschützt werden. Der Quran sagt, dass die Andachtsorte der Schriftreligionen, also die Klöster, Kirchen und Synagogen, Gebetsorte sind, die unter dem Schutz Gottes stehen.
Jenen, die schuldlos aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, nur weil sie sagten: "Unser Herr ist Gott!" Und hätte Gott nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt, wären (viele) Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Gottes Name häufig gedacht wird, bestimmt zerstört worden. Und wer Ihm helfen will, dem hilft gewiss auch Gott; denn Gott ist stark und mächtig. (Sure al-Hadsch, 40)
Unser Prophet (s.a.w.s) war sehr sensibel darauf, dass die Andachtsorte der Schriftreligionen nicht zerstört werden, da er in diesen Religionen eine Offenbarung der Gebote Gottes sah. Eine solche Zerstörung würde zuerst den Geboten Gottes widersprechen und außerdem bedeuten zu verhindern, dass die Menschen, die an Gott glauben, diesen Glauben ausleben könnten. Denn Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat in seinem Friedensabkommen mit den Christen festgelegt, dass ihre Gotteshäuser nicht zerstört werden und ihnen keinerlei Schaden zugefügt werden wird. In dem Tributabkommen mit den Christen hat unser Prophet (s.a.w.s) ebenfalls eine Garantie gewährt, dass die Gotteshäuser nicht niedergerissen werden.
Das erste Abkommen, das in der Zeit nach dem Prophet Muhammad darüber, dass die Kirchen nicht abgerissen werden, geschlossen wurde, stammt von Halid b. El-Velid mit der Verwaltung der Stadt Anat. Die Abkommen, die Ibn Ishak und Halid b. El-Velid abgeschlossen haben, wurden von Kalif Ebubekir nicht für ungültig erklärt und auch den späteren drei Kalifen schienen sie angemessen und wurden daher fortgeführt.19 Außerdem bot Kalif Ebubekir dem Volk von Najran zu seiner Zeit dieselben Garantien an, wie seinerzeit des Propheten Muhammad (s.a.w.s).
Es fällt außerdem auf, dass die Gesellschaften, die der echten Islamischen Moral auch nach der Zeit des Propheten Muhammad (s.a.w.s) folgten, besondere Sensibilität in Bezug auf dieses Thema hatten. Diejenigen Muslimischen Herrscher, die dem Quran und der Lebensweise des Propheten (s.a.w.s) folgten, verhielten sich den Andachtsstätten der Nicht-Muslime in den eroberten Ländereien gegenüber immer sehr respektvoll und sie waren auch dem Klerus gegenüber respektvoll. Für lange Jahrhunderte lebten die Christen unter muslimischer Verwaltung und haben niemals wegen religiöser Angelegenheiten rebelliert. Das ist ohne Frage ein Ergebnis dessen, dass die Muslimischen Herrscher entsprechend der Gebote des Quran gerecht und tolerant waren.
 

DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT


Die bisherigen Kapitel dieses Buches haben sich damit beschäftigt, welche Art von Gerechtigkeit laut dem Quran vorgesehen ist, wie sich die Gläubigen gegenüber den Anhängern der Schriftreligionen verhalten sollen und wie während der Zeit der Propheten Gerechtigkeit und Toleranz herrschten. Wenn man die Menschheitsgeschichte erforscht, lässt sich erkennen, dass die wahre Gerechtigkeit, unter der während der Zeit der Propheten gelebt wurde, auch während der Regierung der anderen Führer geherrscht hat, sofern diese über Gerechtigkeit verfügten. Auch den gerechten Führern nach unserem Propheten Muhammad (s.a.w.s) gelang es, indem sie die Moral des Quran achteten und dem Weg der Gesandten folgten, eine Gesellschaft aufzubauen, die in Frieden und Wohlbehagen lebte. Die im Quran beschriebene wahre Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit wurde auch während der Zeit der Herrscher fortgesetzt und sie waren damit den Menschen, die nach ihnen kamen, ein Beispiel.
Besonders das türkische Volk ist eine der seltenen Gesellschaften, die eine sehr ehrenvolle Vergangenheit hat und wegen seiner gerechten, toleranten und aufrichtigen Führung in die Geschichte eingegangen ist. Diese Tatsache, die wir auf den folgenden Seiten dieses Buches näher betrachten werden, wird von vielen westlichen Historikern bestätigt. Auch von Forschern, die Völkern angehören, die seit jahrhunderten unter der Führung türkischer Herrschaft stehen, wird diese Tatsache ehrlich zur Sprache gebracht. Die ersten Beispiele, die einem dabei einfallen, sind die Seldschuken und die Osmanen, die großen Repräsentanten des Türkischen Reiches. Die Herrscher dieser Reiche haben dafür gesorgt, dass über Jahrhunderte verschiedene Völker wahre Gerechtigkeit erleben und in der Gesellschaft Frieden und Toleranz herrschten.
Die Minister, die im großen Seldschukischen Reich mit der Gerechtigkeit betraut waren
Nachdem die Türken dem Islam beigetreten waren, haben auch die Minister und Regenten damit begonnen, ihre Herrschaft entsprechend der Islamischen Moral auszuüben. Die Herrscher wendeten die Gerechtigkeit an, die Gott über den Quran vermittelt hat und erreichten damit große Erfolge, große Eroberungen und leisteten damit einen wichtigen Beitrag für die Verbreitung des Islam. Der britische Forscher Sir Thomas Arnold hat in seinem Buch The Preaching of Islam folgendermaßen erklärt, weshalb die Christen unter die Herrschaft der Seldschuken gehen wollten.
„Die Tatsache, dass sie ihr religiöses Leben in Sicherheit wissen konnten, hat den Christen in Kleinasien (Anatolien) dabei geholfen, die seldschukischen Türken als Retter zu betrachten. Unter Michael VIII (1261-1282) hat die Bevölkerung der kleinen Dörfer in Kleinasien sich an die Türken gewandt, damit sie ihre Dörfer einnehmen und sie so der Gewaltherrschaft der byzantinischen Kaiser entkommen. Einige sowohl reiche als auch arme Leute des Volkes haben auch eine Flucht in die türkischen Gebiete ins Auge gefasst. 20
In dieser Glanzzeit des großen Türkischen Reiches war der Herrscher Melikschah besonders darauf bedacht, die Gebote des Quran umzusetzen. Er begegnete den Menschen in den von ihm eroberten Gebieten mit ausgesprochener Toleranz und Barmherzigkeit, weshalb ihn auch die Völker der unterworfenen Länder mit Liebe und Respekt aufnahmen. Der armenische Historiker Urfali Mathiu beschreibt das große Selduschukische Reich folgendermaßen:
„Das Sultanat von Melikschah hat die Gunst Gottes erfahren. Seine Gerechtigkeit hat sich bis auf weit entfernte Ländereien erstreckt und auch den Armeniern Frieden geschenkt. Sein Herz war voller Zuneigung den Christen gegenüber. Er verhielt sich den eroberten Völkern gegenüber wie ein Vater. Viele Städte und Regionen sind aus eigenem Willen unter seine Regentschaft getreten. Alle griechischen und armenischen Ortschaften kannten seine Gesetze.“21
Alle unparteiischen Geschichtsschreiber betonen die gerechte und tolerante Haltung von Melikschah. Seine Toleranz hat die Herzen der Angehörigen der Schriftreligionen für ihn eingenommen. Es sind sogar viele Städte auf eigenen Wunsch unter die Verwaltung von Melikschah getreten, was in der Geschichte seines gleichen sucht. In demselben Buch erzählt Sir Thomas Arnold über einen Mönch aus dem Kloster San Denis mit Namen Odo de Diogilo, der als privater Schreiber Louis VII. auf den 2. Kreuzzug begleitet hat. Er beschreibt mit viel Warmherzigkeit, wie gerecht die Muslime anderen Menschen begegnen, egal welcher Religion das Gegenüber angehört.
„Hätte sich in den Herzen der Muslimischen Türken in Angesicht dieses Elends und dieses Jammers nicht Mitleid entwickelt, wäre es gräulich für die zurückgebliebenen Kreuzzügler geworden. Die Türken besahen sich die Wunden der hilflosen, ernährten großzügig die Armen und befreiten sie von ihrem Leid. Einige Muslime haben sogar das französische Geld, welches den Kreuzzüglern von den Griechen durch Bedrohung und Betrug abgenommen worden war, zurückgekauft und denen gegeben, die es benötigten. Dass die Kreuzzügler zum einen mit dem schützenden Verhalten derer, die nicht derselben Religion angehören und gleichzeitig den Aktionen der Griechen, die schlugen und betrogen, konfrontiert waren, führte dazu, dass viele auf eigenen Wunsch hin die Religion der Muslime annahmen, die sie errettet hatten.“22
Odo de Diogilo beschreibt seine Erlebnisse während des 2. Kreuzzugs. Mit folgender Zeile beschreibt er, zu welch schönem Resultat die Toleranz, Barmherzigkeit und gerechte Haltung der Muslimen führte:
„Sie entfremdeten sich von ihren Glaubensbrüdern, die sich ihnen gegenüber brutal verhielten und gingen unter den Schutz derer, die in ihren Augen ohne Glauben waren, doch deren Gesetze sanftmütig und barmherzig waren. Und so wie wir vernommen haben, haben bis zu dreitausend dem Drang der Türken nachgegeben... Aber in Wirklichkeit haben die Dienste der Muslimen ausgereicht und kein einziger wurde dazu gezwungen, seine Religion aufzugeben."23
Diese Zeilen, die von Historikern geschrieben sind, belegen, dass die Islamische Moral auch während Zeiten des Krieges und der Schwierigkeiten die Gerechtigkeit befohlen hat. Diese erhabene Moral, welche die Türken – während auf der gesamten Welt despotische Herrscher regierten - gezeigt haben, ist ein Zeichen für ihre Verbundenheit mit dem Quran und ihren hohen Charakter. Daher wurden auch die Völker oder Gruppen, die mit den Türken konfrontiert waren, egal wie groß ihre Vorurteile gegen den Islam gewesen sein mochten, in Anbetracht der Muslimischen Moral, ganz so wie die Christen im Heer der Kreuzritter, ihre Herzen erweicht und mit Liebe zum Islam angefüllt.
In die Länder, die vom Osmanischen Reich erobert wurden, zog die Gerechtigkeit ein
Die Geschichte liefert uns viele Beispiele, wie Frieden und Ruhe in das soziale Leben der Gesellschaften einkehrte, die nach der Islamischen Moral lebten. Das Osmanische Reich ist ein Beispiel für diese Gerechtigkeit. Das Osmanische Reich erstreckte sich über Jahrhunderte über große Teile von drei Kontinenten. Noch heute kann man auf dem Balkan, im mittleren Osten, in Nordafrika und an vielen Orten die Spuren des Osmanischen Reiches sehen. Überall, wo das Osmanische Reich Fuß fasste, wurde der erhabene Charakter der Türken bekannt. Das zehnbändige Werk Histoire de la Turquie von La Marine aus dem Jahr 1854 spiegelt sehr schön die Spuren der Osmanen heute wieder.
„Besuchen Sie Izmir, Istanbul, Syrien oder den Libanon. Gehen Sie dort in die Klöster, die religiösen Orte oder die Ausbildungsanstalten. Betrachten Sie sich die Konzessionsschulen und fragen Sie „Mangelt es am Verhalten oder am Schutz der Osmanen Ihnen gegenüber?“ Sie alle werden Ihnen gegenüber die Unparteilichkeit des Osmanischen Sultans erwähnen… Es ist eine Tatsache, dass der Herrschaft über diese religiösen Orte die Osmanen ganz unparteiisch, respektvoll und friedlich gegenüberstehen…“24
Das Osmanische Reich war dank seiner gerechten Herrschaft, angefangen von dessen Gründer Osman Bey bis hin zu Sultan Mehmet dem Eroberer, der Menschheit ein Beispiel. Zu dieser Zeit lebten die Menschen jeder Religion und jeden Glaubens friedlich zusammen. Es gab sogar Gruppen, die sich vollkommen aus feien Stücken an Sultan Mehmet übergaben. Das zeigt, wie zufrieden die Menschen mit seiner gerechten Herrschaft waren.
Wie in allen Muslimischen Staaten, haben auch die Osmanischen Sultane sich den Nicht-Muslimen in den von ihnen eroberten Gebieten gegenüber äußerst gerecht verhalten.25 Denn nach der Moralvorstellung des Quran sind die Einwohner dieser Gebiete unter der Obhut Gottes. Diese zu schützen und zu verhindern, dass ihnen Schaden zugefügt wird, ist die Aufgabe der gerechten Herrscher. Daher haben es sich die Osmanischen Sultane zum Ziel gemacht Wohlstand in die eroberten Gebiete zu bringen, während die europäischen Staaten in den von ihnen besetzen Ländereien Völkermord begingen, das Volk unterdrückten und den natürlichen Reichtum der Länder vernichteten. Die Osmanen haben nicht versucht den Glauben der eroberten Völker zu ändern, ganz im Gegenteil haben sie dafür gesorgt, dass die Menschen ihre Religion in Frieden ausleben konnten.26
Die Türken haben die Sprache, Religion sowie weite Teile der sozialen und administrativen Strukturen derer, die unter ihrer Verwaltung lebten, sprich die Kultur, nicht eingeschränkt. Daher konnten in dieser Zeit Menschen unterschiedlicher Religionen und Völker friedlich zusammenleben. Zu diesem Thema äußert sich der Historiker A. Miquel:
„Die Christlichen Volksgruppen fanden sich unter einer sehr guten Verwaltung wieder, wie sie sie zur Zeit des byzantinischen oder lateinischen Staates nicht gekannt hatten. Sie hätten niemals eine systematische Unterdrückung erfahren. Ganz im Gegenteil wurde das Reich, insbesondere Istanbul, ein Zufluchtsort für Juden, die in Spanien gefoltert wurden. Nirgendwo wurde eine Islamisierung erzwungen.“27
Die Länder unter türkischer Herrschaft, in denen nach Islamischer Gerechtigkeit regiert wurde, waren für Menschen aller Religionen eine Erleichterung. So konnten beispielsweise die anatolischen und griechischen Nicht-Muslimen während des Osmanischen Reiches nach ihren alten Sitten weiterleben, ohne dass gegen ihre Religion oder ihr soziales Leben vorgegangen worden wäre.28 Die Osmanischen Herrscher haben für soziale Gerechtigkeit gesorgt und dafür, dass entsprechend den eindeutigen Geboten des Quran Niemand aufgrund seiner Rasse, Sprache oder ethnischen Herkunft diskriminiert wird und die Menschen miteinander leben. Der Historiker Ismail Hakki Uzuncarsili beschreibt in seinem Buch Osmanli Tarihi (Osmanische Geschichte), als was für eine Befreiung die nicht-Muslimischen Völker die große Toleranz der Türken betrachtet haben:
„Dadurch, dass die Türken den religiösen Gefühlen und Gewissen der nicht-Muslimischen Gemeinden Respekt gezeigt haben, haben diese Menschen die Osmanische Verwaltung als Rettung aufgefasst.“29
Der europäische Historiker Richard Peters beschreibt die Gerechtigkeit, welche die Türken, die den Islam angenommen hatten, ihren über die Jahrhunderte Eroberten Ländern gegenüber gezeigt haben, folgendermaßen:
„Die Türken haben über Jahrhunderte über die verschiedensten Völker geherrscht. Doch sie haben niemals versucht, diese zu assimilieren. Sie verliehen ihnen Freiheit und die Möglichkeit, ihre Religionen und Kulturen auszuleben."30
Alle diese Beispiele belegen, dass die Türken die eroberten Länder nicht unterdrückt haben, sondern den Rechten der Menschen gegenüber Respekt bewiesen. So wie die Seldschuken, haben auch die Osmanischen Sultane die Menschen, die in den von ihnen eroberten Gebieten lebten unter ihren Schutz gestellt und sich die Aufgabe, diese zu schützen, zu eigen gemacht. Daher konnten Menschen unterschiedlicher Völker und Religionen ohne Streit und Zwist friedlich zusammen leben. Wären die Osmanischen Herrscher nicht so gerecht gegenüber den unterschiedlichen Gruppierungen, aus denen sich die Gesellschaft zusammensetzte, gewesen, hätten sie nie so ein fest verwurzeltes Reich aufbauen können und die Menschen über Jahrhunderte zusammenhalten. Allerdings können wir beobachten, dass die hohen Ideale und Vorstellungen, die sie durch den Islam gewonnen haben, ihnen eine äußerst weit entwickelte Kultur und Zivilisation geschenkt hat.
Die gerechte Führung in der ersten Zeit des Osmanischen Reiches
Bereits in den ersten Jahren nach Gründung des Osmanischen Reiches haben es sich die Gründer des Staates zum Grundsatz gemacht, gerecht zu handeln. Den unterschiedlichen Religionsgruppen und Ungläubigen, mit denen sie zusammenlebten, gegenüber bestand eine gerechte Herrschaft, es wurden keinerlei Versuche unternommen, die Religion zu verändern und zu jeder Zeit bestand das Ziel darin, in Frieden miteinander zu leben.
Osman Bey, der Gründer des Osmanischen Reiches, unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu den Nicht-Muslimen und Muslimen in seinem Reich. Aufgrund dieser guten Beziehungen konnte ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis entstehen. Als Osman Bey beispielsweise mit seiner Sippe auf eine Hochebene ging, überließ er sein Hab und Gut den Nicht-Muslimen in Bilecik. Bei seiner Rückkehr brachte er ihnen Öl, Käse und Teppiche als Geschenk.31 Weil der von Osman Bey gegründete Bazar in Eskisehir so sicher war, gingen die Nicht-Muslime und Germiyan häufig für ihre Einkäufe dorthin.32 Mit den Nicht-Muslimen bestand ein intensiver Dialog und soziale Beziehungen. Eine Begebenheit, die der Historiker Joseph von Hammer in seinem Buch Osmanli Tarihi (Osmanische Geschichte) beschreibt, zeigt, dass Osman Bey zwischen den Menschen immer Gerechtigkeit obwalten lies, egal welcher Religion sie angehörten.
"Eines Tages brachte ein Nichtmuslim aus Bilecik eine Ladung Gläser auf den Bazar. Ein Muslim aus Germiyan erstand eines davon, doch er zahlte nicht. Der Nicht-Muslim wandte sich an Osman Bey, um sich über den Germiyanen zu beschweren. Osman Bey rief diesen zu sich, verlangte das Geld und übergab es dem Nicht-Muslim. Auf diese Weise vermittelte Osman Bey, dass niemand den Nicht-Muslimen in Bilecik Schaden zufügen darf. Osman Bey war so gerecht, dass sogar die nicht-Muslimischen Frauen auf den Bazar in Bilecik gehen konnten, um sicher einzukaufen. Das nicht-Muslimische Volk war während der Herrschaft von Osman Bey in Sicherheit und unter seinem Schutz. Folgende Antwort gab Osman Bey, wenn man ihn nach dem Grund für die Gerechtigkeit, die er den Nicht-Muslimen in Bilecik zukommen lies, fragte. „Es sind unsere Nachbarn. Auch zu Zeiten, in denen wir ihnen fremdartig erschiehen, waren sie uns freundlich gesonnen. Jetzt müssen wir ihnen unsere Hochachtung zeigen."33
Die hohe Moral, die Osman Bey aufwies, folgt dem Befehl, den Gott und im Quran mitgeteilt hat.
Und dient Gott und setzt Ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbar, sei er einheimisch oder aus der Fremde, zu den Kollegen, den Reisenden und zu denen, welche ihr von Rechts wegen besitzt. Siehe, Gott liebt nicht den Hochmütigen, den Prahler. (Sure an-Nisa, 36)
Ein Verhalten entsprechend der Moral des Quran hat die Herzen vieler Menschen für den Islam erwärmt. Nachdem Osman Bey Yarihisar, Inegöl, Bilecik und Yenisehir erobert hatte, begegnete er den dort lebenden Nichtmuslimen mit Gerechtigkeit und Toleranz, er ließ ihnen auch ihr Land. Und zwar dergestalt, dass diejenigen, die in diesen Ländereien lebten, ein sehr viel besseres Leben hatten als vor der Herrschaft der Osmanen und innerhalb kurzer Zeit die Ländereien florierten. Weil so viel Sicherheit und Gerechtigkeit in den Ländern Osman Beys herrschte, strömten auch die Nicht-Muslimen aus anderen Regionen, die davon gehört hatten, in das Reich Osmans, um sich dort niederzulassen.34 Hätte Osman Bey die Gerechtigkeit, Toleranz und Sicherheit, die der Islam bringt, nicht hergestellt, hätte sich auf den von ihm eroberten Gebieten eine Feindschaft zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen entwickeln können. Doch weil er ein Herrscher war, der den Befehlen Gottes folgte, hat er den Menschen die Gerechtigkeit befohlen. Es ist weiterhin bekannt, das Osman Bey als Zeichen seiner Toleranz und seines Respekts auf Hochzeiten der Nicht-Muslimen teilnahm und Geschenke brachte.35
Ein weiteres Beispiel für die gerechte Haltung Osman Beys liefert das Buch Osmanli Tarihi (Osmanische Geschichte) von Joseph von Hammer. 36
"An einem Freitag entbrannte ein Streit zwischen einem Muslimen, der einer Germiyanischen Türkischen Sippe entstammte und einem Christen der griechischen aus Bilecik, bei dem Osman für den Christen Recht sprach. Daraufhin haben alle Rechtsliebenden im Land damit begonnen, von dem Recht und der Gerechtigkeit von Osman, dem Sohn des Ertugrul, zu sprechen.
Denn die Legende besagt, dass Osman Bey vor seinem Tod seinem Sohn Orhan als Vermächtnis hinterlassen haben soll, dass er "über alle Menschen die Gleichheit bewahren möge und diejenigen, die ihm untergeben sind, zufrieden stellen"37 möge. Seine gerechte Herrschaft war vielerorts bekannt. Daher musste Osman Bey bei der Eroberung Bursas keinerlei Gewalt anwenden. Der Burgfürst übergab sich aus freien Stücken. Daraufhin fragte der Veteran Orhan den Wesir des Burgfürsten namens Saroz, weshalb er die Festung übergeben hatte. Unter anderem erhielt er folgende Antwort: „Die, die unter Ihrem Schutz stehen, haben es gut. Auch wir wünschen uns das.38 Auch die Griechen in Bursa gaben dieselbe ehrliche Antwort auf diese Frage.
"Wir haben verstanden, dass ihr Staat von Tag zu Tag wächst und unserer untergeht. Die Dörfer, die unter die Verwaltung ihres Vaters gefallen sind, sind zufrieden damit. Wir haben gesehen, dass man uns aufgenommen hat und auch wir wollen diesen Frieden erleben."39
Wie tolerant sich Orhan Gazi und die Staatsmänner in seinem Gefolge den Christen gegenüber benahmen, zeigt ein Brief von Gregory Palama, dem Erzbischof von Thessaloniki aus dem Jahr 1355, nachdem er in Gefangenschaft bei den Osmanen geraten war. In seinem Brief schreibt Palamas, dass die Christen in den Muslimischen Ländern ganz frei sind und dass Süleyman Pascha, der Sohn Orhan Beys ihm offene Fragen über das Christentum gestellt habe und auch Sultan Orhan persönlich mit seinen Glaubensbrüdern Diskussionen geführt habe.40
Orhan Gazi verhielt sich nicht nur den Christen, sondern auch den Juden gegenüber äußerst gerecht und tolerant. Weil die Juden, die in Edirne und anderen Städten Trakiens lebten, viel staatliche Unterdrückung erfahren hatten, haben sie mit großer Freude die Eroberung durch die Türken begrüßt.41
Auch zu Zeiten Murats I. wurde diese Vorgehensweise der Osmanischen Imperatoren gegenüber den Juden fortgesetzt. Der zeitgenössische byzantinische Geschichtsschreiber Khalkokondylas beschreibt die Gerechtigkeit und Toleranz Sultan Murats folgendermaßen:
"Den Völkern und Personen gegenüber, die ihm gehorsam waren und dienten, verhielt er sich stets gut, sanft und großzügig, egal welcher Religion sie anhingen. Denjenigen gegenüber, die feindselig waren, war er unerbittlich. Kein Feind konnte seiner Hand entkommen. Auch wenn sein gegebenes Wort später gegen ihn verwendet wurde, blieb er loyal und erhielt daher das Vertrauen sowohl von Freund als auch Feind."42
Ein weiterer Historiker, der Brite Gibbon, beschreibt Murats Toleranz den Christen gegenüber folgendermaßen.
"Er stand über allen Herrschern und Staatsmännern seiner Zeit. Er hat sogar die Träume, die sein Vater gesetzt hat, bei weitem überschritten. Eine der erstaunlichsten Entwicklungen in der Geschichte wurde zu Gunsten der Osmanen entschieden. Sie behandelten die Orthodoxen und die Katholiken bei weitem besser, als diese sich gegenseitig behandelt hatten."43
Alle diese Beispiele zeigen, dass das Osmanische Reich nach der Gründung und in den ersten Jahren schnell an Macht gewonnen hat. Die gerechte Haltung der Herrscher gegenüber den Anhängern anderer Religionen hatte einen sehr positiven Einfluss und das Osmanische Reich konnte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit ausbreiten. Der Grund, weshalb diese rasante Entwicklung auch während der Regierungszeit der übrigen Sultane so schnell fortgesetzt werden konnte, lag darin, dass sie dieselbe tolerante und gerechte Haltung hatten. Die Toleranz und Gerechtigkeit zu Zeiten Sultan Mehmets des Eroberers wird von allen Historikern offen beschrieben.
Zu Zeiten Sultan Mehmets dem Eroberer bestand wahre Gerechtigkeit
Während der Zeit Sultan Mehmets des Eroberers dehnte sich das Imperium auf drei Kontinente aus und mit der Eroberung Istanbuls begann ein neues Zeitalter. Nicht nur für die osmanische Geschichte, auch für Europa war dies ein Wendepunkt. Durch einen militärischen Geniestreich konnte Istanbul erobert werden und nach dieser epochalen Veränderung brachte Sultan Mehmet in alle neu eroberten Länder die Gerechtigkeit und Toleranz des Islam.
Die Toleranz des Sultan Mehmet gegenüber den Schriftreligionen ist bis heute mit vielen Abkommen belegt. Die Toleranz, die er aus seiner Islamischen Moral schöpfte, wandte er gegen Christen, Juden, Armenier und Aramäer an.44 Daher waren viele fremde Völker höchst zufrieden, wenn sie unter die Regentschaft Sultan Mehmets kamen.45 Der byzantinische Herrscher Düka Notaras hat diese Tatsache mit dem Ausspruch "Ich bevorzuge es eher, den Turban der Türken in Byzanz zu sehen, als den Hut der Lateiner."
Zu Beginn hatten die Nicht-Muslime große Angst nach der Eroberung Istanbuls durch Sultan Mehmet. Sie gingen davon aus, dass sie Unterdrückung und Angriffen ausgesetzt werden würden und ein Teil floh oder versammelte sich in der Hagia Sophia. Doch Sultan Mehmet der Eroberer begegnete ihnen mit Toleranz und Gerechtigkeit und verlangte von ihnen, dass sie sich nicht fürchten mögen und in ihre Häuser zurückkehren und ihren normalen Geschäften nachgehen mögen.46 Er hat in Bezug auf ihre Religion keinerlei Druck ausgeübt und ganz im Gegenteil die Religionsvertreter besonders tolerant empfangen und eine Grundlage geschaffen, dass sie ihre Religion in Frieden ausleben können. Im Palast lebten Muslimische und christliche Gelehrte Seite an Seite und diskutierten alle wissenschaftlichen Themen miteinander. 47
Sultan Mehmet versuchte das Christentum mit Hilfe eines Christen zu verstehen48 und gab an den Patriarchen einen Erlass aus, dass die Gemeinde Jesu einen "Modus Vivendi" zusprach. Mehmet verlieh dem Patriarchat große Möglichkeiten und so erhielt es zum ersten Mal während der Türkenzeit Autonomie.49 Der Historiker Hammer hat anhand von Quellen in Ost und West herausgefunden, dass der Sultan dem Patriarchen folgenden Freispruch zukommen lies:
"Niemand darf den Patriarchen unter seine Herrschaft stellen. Niemand, egal war, darf ihn berühren. Der Patriarch und die hohen Mönche in seinem Gefolge sind auf unbefristete Zeit von allen allgemeinen Diensten freigestellt:"50
Sultan Mehmet hat direkt nach der Eroberung damit begonnen, sich für die Rechte der Nicht-Muslime zu interessieren und Gennadius zum Griechisch-Orthodoxen Patriarchat geschickt, um ein Abkommen mit ihnen zu schließen. Mit den Angehörigen der Schriftreligionen in Galata schloß er ein Abkommen, dass die Kirchen in Galata nicht beschlagnahmt oder in Moscheen umgewandelt werden und dass keine Einmischung in die Ausübung der Religion stattfinden wird und auch kein Nicht-Muslime zum Übertritt zum Islam gezwungen werden wird.51 Ein anderes Abkommen aus derselben Zeit besagt, dass die spirituellen Führer, die bis dahin den Titel „Metropolit“ trugen, diesen auch weiterhin tragen dürfen.52
Aber nicht nur den Christen, auch den Juden räumte Sultan Mehmet der Eroberer Rechte ein. Sie erhielten das Recht ihre Religion frei auszuleben und ihre eigenen Rabbis und Synagogen zu haben. Sultan Mehmet lud den ersten Rabbi der osmanischen Zeit zu sich ein, erlangte dessen Gunst und erliess ein Dekret, dass er allen Gerichtsverhandlungen, an denen Juden beteiligt waren, beiwohnen durfte.53
Dieser Fortschritt, der mit der Eroberung Istanbuls durch Sultan Mehmet begonnen hatte, wurde von den späteren Sultanen fortgesetzt. Zwei Mal stand das osmanische Heer vor den Toren Wiens, Serbien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien und der gesamte Balkan wurden erobert, Ungarn viel unter Osmanischen Schutz und die Osmanen eroberten die Meere. Das Schwarze Meer wurde ein See innerhalb der Türkei, die Peleponez, Rhodos, Kreta, Chios und viele weitere Inseln in der Ägäis, wurden eingenommen, der Kaukasus wurde erobert, Bagdad, Täbris, Jemen, Syrien, Irak, Libanon, Ägypten, Palästina, Jerusalem, Marokko, Tunis, Algerien, Ostanatolien, die Gewürzstraße, Polen und viele weitere Orte gehörten dem Türkischen Reich an. Alle Menschen, egal welcher Konfession oder Ausrichtung sie waren, die auf den eroberten Gebieten wohnte, lebten in Frieden und Toleranz. Niemand wurde wegen seiner Religion, seiner Sprache oder seiner Rasse unterdrückt. Ganz im Gegenteil, die Menschen mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen, Sitten und Bräuchen konnten ohne Zwist friedlich über Jahre unter der gerechten Herrschaft der Osmanen leben.
Eine Gesellschaft, die so eine gerechte und tolerante Regierung hat, ist noch heute das Modell, was am meisten vermisst wird. Die einzige Lösung besteht darin, die Moral des Quran vollständig zu leben. Wie wir anhand der oben aufgeführten Beispiele gesehen haben, haben die Herrscher, die sich nach der Moral des Quran richteten und die Menschen, die von ihnen regiert wurden, in größtmöglichem Wohlstand gelebt. Weil sie nach der Moral lebten, die der Quran befiehlt, wurden vom höchsten Regenten bis hin zum Gewerbetreibenden jedem Einzelnen Mitglied der Gesellschaft Frieden und Ruhe gebracht, dadurch dass sie gerecht, barmherzig, tolerant, liebevoll, respektvoll, verzeihend und aufrichtig waren.
Es spricht nichts dagegen, dass eine solche Gesellschaft nicht wieder entstehen könnte. Das einzige, was dafür notwendig ist, ist dass die einzelnen Menschen selber damit beginnen, ein Leben nach der Moral des Quran zu führen und sich dann darum bemühen, dass dieselbe Moral sich weiter unter den Menschen verbreitet.
DIE MENSCHEN KÖNNEN NUR MIT DER LIEBE ZU ALLAH BEHAGLICHKEIT FINDEN
KONFERENZEN MIT DEM THEMA ''DER NIEDERGANG DER EVOLUTIONSTHEORIE UND DIE WAHRHEIT DER SCHÖPFUNG'' IN BERLIN - DEUTSCHLAND, AM 17-18 APRIL, 2010 KONFERENZ MIT DEM THEMA ''DER NIEDERGANG DER EVOLUTIONSTHEORIE UND DIE WAHRHEIT DER SCHÖPFUNG'' – 28 MAI. 2010, DARMSTADT

DER PROPHET JOSEPH

WUNDER DES GEHIRNS: RIECHEN UND SCHMECKEN

DIE LÖSUNG ALLER PROBLEME: DIE WERTE DES QURAN

BIOMIMETRIE: TECHNOLOGIE IMITIERT NATUR

DER ISLAM: DAS LICHT, DAS DIE WELT ERLEUCHTET

DAS GEHEIMNIS DER PRÜFUNG

DIE BLUTIGE GESCHICHTE DES FASCHISMUS TEIL I

DER PROPHET MOSES (A.S) UND DIE BUNDESLADE

FOSSILIEN STÜRZEN DIE EVOLUTIONSTHEORIE

DIE WUNDER DES QURAN - 4

DIE WUNDER DES QURAN - 3

DIE WUNDER DES QURAN - 2

DIE WUNDER DES QURAN - 1

EINE WELT AUS EIS

DER WUNDERBARE PLANET 1: Beweise Der Schopfung Auf Der Erde

WANDERNDE TIERE - FÜR KINDER 8

TIERE DIE SICH VERSTECKEN KONNEN - FÜR KINDER 7

TIEFES NACHDENKEN

Die Mehrheit der Menschen benutzt ihre Denkfähigkeit nicht so, wie sie es könnte. Der Zweck dieses Dokumentarfilms ist es, die Menschen aufzufordern, so zu denken, wie es angemessen wäre, und sie bei Ihren Bemühungen dabei zu unterstützen.

LIEBE UND ZUSAMMENARBEIT UNTER DEN LEBEWESEN

Einigkeit… Solidarität… Selbstlosigkeit… Aufopferung … Jeder möchte diese Attribute besitzen… Dieser Dokumentarfilm befasst sich mit Sozialverhalten. Doch die Stars dieses Films sind keine Menschen...

ALTRUISMUS IN DER NATUR

In diesem Film werden Sie ein wunderbares, von Allah in den Lebewesen hervorgerufenes Gefühl mütterlicher Liebe und der Selbstaufopferung sehen, das Mütter für ihren Nachwuchs hegen, und Sie werden Zeuge eines der größten Beweise der Schöpfung in der Welt werden...